Die AfD im Aufwind: Deutschland, aber normal?

In letzter Zeit hat die AfD viele Stimmen dazu gewonnen. Vor allem auf Social Media erhielt die AfD viel Zustimmung und Aufmerksamkeit. Doch wer sind die Menschen, die die AfD wählen? Warum bekommt sie plötzlich so viel mehr Stimmen? Warum beunruhigt dies viele Menschen?

Da die Bundestagswahl vor kurzem stattfand, haben wir uns intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt. Noch vor der Juniorwahl haben wir an unserer Schule eine anonyme Umfrage unter den Schülern der Klassenstufen 10–13 durchgeführt. Laut der Studie „Jugend in Deutschland“ würden 22 Prozent der Jugendlichen in Deutschland bei einer Wahl die AfD wählen. Die Tagesschau berichtet, dass die AfD besonders bei Jugendlichen in ländlichen Gebieten, bei Personen mit einem geringeren Bildungsstand und einem niedrigeren Einkommen beliebt ist. Ihre Gründe sind oft der Abbau sozialer Infrastruktur oder eine große allgemeine Enttäuschung über die anderen Parteien.

Bei der Umfrage, die wir an unserer Schule durchgeführt haben, gaben insgesamt 166 Schüler ihre Stimmen ab. Laut unserer Umfrage in den Klassenstufen 10–13 würden sogar 28 Prozent die AfD wählen. Dies bestätigt den allgemeinen Trend bei anderen Umfragen. Bei der Juniorwahl, die an unserer Schule stattfand, gewann die AfD außerdem 10,3 % der 337 Stimmen. An der Juniorwahl kann ab der 9. Klassenstufe teilgenommen werden.

Bei der Juniorwahl sowie bei der Bundestagswahl zeigte sich, dass sich die Gesellschaft in zwei „Lager“ spaltet: zwischen den rechten und linken Parteien. Die anderen Parteien, die sich eher in der Mitte befinden, wie beispielsweise die SPD und FDP, sind unter den Jugendlichen weniger stark vertreten.

Ursprünglich wählten viele Menschen die AfD aus Protest. Sie waren mit den anderen Parteien unzufrieden und fühlten sich nicht repräsentiert und verstanden. Sie sahen die AfD als einzige Möglichkeit, ihre Unzufriedenheit auszudrücken. Mittlerweile hat die AfD eine treue Wählerschaft, die auch nichts gegen rechtsradikale Haltungen einzuwenden hat.

Besonders ihre starke Aktivität auf Social Media war ein wichtiger Faktor, um vor allem junge Wähler für die AfD zu gewinnen. Im Vergleich zu den anderen Parteien ist sie in den sozialen Medien am breitesten aufgestellt und hat (Stand 13.11.2024) die meisten Follower. Vor allem in Brandenburg soll die AfD viel Arbeit in ihren Social-Media-Auftritt gesteckt haben, um gezielt junge Menschen zu mobilisieren. Die Selbstdarstellung der AfD ist gezielt auf Provokation angelegt und führt zu vielen kritischen Reaktionen. 

Die Auseinandersetzung zwischen Anhängern und Gegnern sorgt ebenfalls für zusätzliche Aufmerksamkeit für die AfD. Die folgenden Zitate von AfD-Politikern aus öffentlichen Äußerungen oder aus geleakten, privaten Chats, die teilweise den Holocaust oder die NS-Zeit verherrlichen, sind Beispiele für die extremen und extremistischen Einstellungen der AfD-Mitglieder. Diese Aussagen sind nicht alle aktuell, wurden aber alle von Politikern der AfD getätigt:

Die politische Korrektheit gehört auf den Müllhaufen der Geschichte.“ – Alice Weidel, AfD

Das Pack erschießen oder zurück nach Afrika prügeln.“ – Dieter Görnert, AfD

Wer Homosexualität auslebt, dem droht dafür eine Gefängnisstrafe … Das sollten wir in Deutschland auch machen!“ – Andreas Gehlmann, AfD

Abschiebung der Antifa nach Buchenwald.“ – Mirko Welsch, AfD

Immerhin haben wir jetzt so viele Ausländer im Land, dass sich ein Holocaust mal wieder lohnen würde.“ – Chatprotokoll Marcel Grauf

Das große Problem ist, dass man Hitler als das absolut Böse darstellt.“ – Björn Höcke, AfD

Auch das Wahlprogramm belegte die extremen Positionen der AfD. Dieses Jahr trägt es den Titel „Zeit für Deutschland“. Ein Punkt ist zum Beispiel die Abschaffung des Euros in Deutschland. Die AfD ist der Meinung, die Euro-Währung sei gescheitert. Sie argumentiert, dass Deutschland finanziell belastet wird, weil es andere Länder unterstützt. Es wird eine neue, deutsche Währung gefordert, um die Wirtschaft besser steuern zu können. Für die AfD ist auch die Wiederherstellung des traditionellen Familienbildes wichtig. Sie ist der Meinung, eine Familie sollte aus Mutter, Vater und Kindern bestehen. Diese bezeichnet die AfD in ihrem Wahlprogramm als „Keimzelle der Gesellschaft“. Sie ist der Ansicht, dass so ein geschütztes und stabiles Umfeld sichergestellt ist. Andere Arten von Partnerschaften lehnt die AfD ab, zum Beispiel gleichgeschlechtliche Partnerschaften.

Die AfD kritisiert außerdem die aktuelle Klimapolitik und stellt in Frage, ob der Mensch wirklich für den Klimawandel verantwortlich ist. Sie meint, dass die angebliche Klimaprophezeiung und die „Klimakrise“ übertrieben sind und sich nicht mit den tatsächlichen Beobachtungen decken. Laut der AfD haben die letzten Jahrzehnte keine katastrophalen Klimaereignisse gezeigt. Sie behauptet, dass Maßnahmen wie das Verbot fossiler Brennstoffe oder Klimaschutzprojekte im Ausland nicht sinnvoll sind und die Wirtschaft sowie den Wohlstand Deutschlands gefährden. Die AfD lehnt den „Green Deal“ der EU ab und möchte aus dem Pariser Klimaabkommen austreten. Sie fordert, dass Deutschland eine starke Wirtschaft aufbaut, die frei von ideologisch geprägten Klimamaßnahmen ist.

Um die Wohnungsnot in Gegenden mit wenig Wohnraum, besonders für junge Familien, zu verringern, sollten Wohnungen für Asylberechtigte und Asylbewerber in diesen Gebieten stark eingeschränkt werden, findet die AfD. In Stadtteilen, die bereits viele Nicht-EU-Migranten haben oder hohe Kriminalität aufweisen und wo die Integration nicht gelungen ist, sollten keine weiteren Asylbewerber oder Asylberechtigten zugewiesen werden, besonders nicht in großen Unterkünften. Die AfD ist gegen Sonderregelungen, die das deutsche Baurecht umgehen, um Unterkünfte für meist illegal eingereiste Migranten zu schaffen.

Der Titel des Wahlprogramms der AfD aus 2021 lautete „Deutschland. Aber normal.“ Beim sogenannten Zustrombegrenzungsgesetz haben CDU/CSU und AfD im Januar dieses Jahres zusammen dafür gestimmt. Auch die Mehrheit der FDP- und BSW-Abgeordneten war dafür. Viele Menschen sind der Meinung, dass dadurch die Brandmauer zur AfD gefallen ist und so eine Normalisierung der rechtsextremen Politik stattfindet. Die Brandmauer beschreibt die „unüberwindbare Grenze“ zwischen den demokratischen und den radikalen/extremistischen Parteien. Diese Grenze sorgt dafür, dass die demokratischen Prinzipien geschützt werden und jede denkbare Art der Zusammenarbeit oder Unterstützung ausgeschlossen wird.

Wie es weitergehen wird? Wir wissen es nicht, werden aber die Politik der neuen Bundesregierung genau beobachten.

Von Tjalda, Felicia und Kjell aus dem 9. Jahrgang

Das Beitragsbild haben wir mit KI erstellt.