#herStory – Astrid Lindgren

Ein Mädchen, das ein Pferd heben kann, ein Junge, der ständig Unsinn anstellt, und ein kleiner Engel, der nie tut, was man ihm sagt – all diese Figuren stammen aus derselben Feder. Die Autorin dahinter wollte nie nur Geschichten schreiben, sie wollte Kinder ermutigen, selbst zu denken und ihre Träume ernst zu nehmen. Und genau deshalb sind die Bücher von Astrid Lindgren auch Jahrzehnte später noch Kult.

Astrid Lindgren wurde am 14. November 1907 auf dem Hof Näs bei Vimmerby in Schweden geboren. Ihre Kindheit beschrieb sie später stets als sehr glücklich. 1914 wurde sie in Vimmerby eingeschult. Zu der Zeit war es für Kinder aus einfachen Familien üblich, nach drei Jahren die Schule zu verlassen; nur Kinder wohlhabenderer Eltern konnten eine weiterführende Schule besuchen. Doch die Eltern einer Freundin von Astrid konnten Astrids Eltern von einer weiterführenden Schulbildung ihrer Tochter überzeugen.

Astrid, eine fleißige und begabte Schülerin, lernte in den folgenden Jahren vor allem Sprachen: Deutsch, Französisch und Englisch. 1923 schloss sie die Schule mit dem Realexamen (schwedischer Realschulabschluss) ab und wurde nach dem Wunsch ihrer Mutter Haustochter. Nach einiger Zeit bekam sie die Möglichkeit bei der Lokalzeitung in ihrer Nähe zu arbeiten. Dort lernte sie das journalistische Handwerk von Grund auf: recherchieren, korrekturlesen und kurze Artikel verfassen.

Nach einem abgelehnten Heiratsantrag verließ Astrid Lindgren Näs und zog nach Stockholm, wo sie sich zur Sekretärin ausbilden ließ. 1927 trat sie schließlich ihre erste Stellung in der schwedischen Buchhhandelszentrale an und wurde ein Jahr später Sekretärin im „Königlichen Automobil-Club“, wo sie außerdem ihren späteren Ehemann kennenlernte.

Ab 1937 arbeitete sie als Stenografin (Stenografie ist die Kunst der Kurzschrift) für einen schwedischen Professor für Kriminalistik und drei Jahre später in der Abteilung für Briefzensur des schwedischen Nachrichtendiensts. Als der Zweite Weltkrieg mit dem deutschen Überfall auf Polen begann, fing Astrid an „Kriegstagebücher“ zu schreiben. Diese wurden nach ihrem Tod unter dem Titel „Die Menschheit hat den Verstand verloren“ veröffentlicht. Durch ihre geheime Arbeit beim Nachrichtendienst, erhielt sie bis Kriegsende tiefe Einblicke in die weltweiten Ereignisse des Krieges.

Ihr erstes Buch veröffentlichte sie 1939 – ein Reisebuch über fünf Autotouren durch Schweden. Mitte der 1940er-Jahre wandte sie sich verstärkt der Schriftstellerei zu, obwohl sie eigentlich nie vorgehabt hatte, Autorin zu werden. So kam es auch, dass sie, als ihre Tochter einmal krank im Bett lag und sich den Namen Pippi Langstrumpf ausgedacht hatte, anfing die Geschichten über das ungewöhnliche Mädchen zu erfinden. Das Manuskript schenkte sie ihrer Tochter später zum Geburtstag.

Ein paar Jahre später versuchte sie die Geschichte über die freche Seemannstochter Pippi Langstrumpf an ein Verlagshaus zu bringen, doch das Manuskript wurde zunächst abgelehnt. Parallel nahm sie an einem Wettbewerb des Verlags „Rabén & Sjögren“ teil und gewann mit ihrem Buch „Britt-Mari erleichtert ihr Herz“ den zweiten Platz . Von dem darauffolgenden Erfolg beflügelt, reichte sie im folgenden Jahr nochmal das überarbeitete Manuskript von Pippi Langstrumpf bei Rabén & Sjögren“ ein und erhielt den ersten Preis. Im gleichen Jahr wurde sie vom Verleger Hans Rabén halbtags als Lektorin eingestellt. Neben ihren Aufgaben im Verlag, begann sie Schritt für Schritt die Kinderbuchabteilung aufzubauen, die sie bis zu ihrer Pensionierung im Jahr 1970 leitete. Die erste schwedische Ausgabe von Pippi Langstrumpf wurde von der dänischen Künstlerin Ingrid Vang Nyman gestaltet, deren klarer Stil bis heute mit Pippi verbunden wird.

Im Herbst 1949 erschien ihr Debütwerk auch in Deutschland nachdem sie den Hamburger Verleger Friedrich Oetinger kennengelernt hatte, wo bis heute auch bei ihm im Verlag die deutschen Ausgaben ihrer Werke erschienen. Die Figur Pippi löste sowohl positive Rückmeldungen als auch Kritik aus; dennoch entwickelte sich das Buch zu ihrem international bekanntesten Werk und wurde in mehr als 70 Sprachen übersetzt.

In Deutschland tragen zahlreiche Schulen ihren Namen, was ihre Bedeutung für die Kinder- und Jugendliteratur verdeutlicht. Neben dem Schreiben engagierte sich Lindgren ihr Leben lang für Menschenrechte, insbesondere für Kinder und Tiere. Mit dem Buch „Kati in Amerika“ setzte sie sich zudem kritisch mit der Rassentrennung in den USA auseinander.

Lebenslang pflegte sie außerdem viele langjährige Freundschaften und stand mit ihren Freundinnen und Freunden regelmäßig in schriftlichem Austausch. Diese Briefe, zusammen mit ihren Tagebüchern,  sind heute mit die wichtigsten Quellen zu ihrem Leben.

Am 28. Januar 2002 starb Astrid Lindgren im Alter von 94 Jahren an den Folgen einer Virusinfektion in ihrer Stockholmer Wohnung in der Dalagtan 46, in der sie mehr als sechs Jahrzehnte gelebt hatte. Ihre Bücher wurden weltweit über 150 Millionen Mal verkauft und prägten das Bild der modernen Kinderliteratur maßgeblich. Viele ihrer Geschichten wurden verfilmt und sind bis heute regelmäßig im Fernsehen zu sehen.