HILFE – Nicht existent?!

… lautete die Antwort eines Befragten in meiner anonymen Umfrage unter den Schüler/innen der Jahrgänge 8-12 im Januar diesen Jahres. In meiner anonymen Umfrage unter den Schüler/innen der Jahrgänge 8 bis 12 im Januar wollte ich herausfinden, wie die Schüler/innen an unserer Schule die Problematik von Schematisieren, Ausgrenzung und Mobbing wahrnehmen und ob diese Themen tabuisiert werden.

In der heutigen Gesellschaft gibt es viele Themen, die tabuisiert werden. Tabuisierung bedeutet, dass Themen in der Gesellschaft nicht angesprochen werden, weil Menschen nicht darüber nachdenken oder einfach nicht reden wollen. Auch die Schüler/innen der Eichenschule tabuisieren bestimmte Themen wie Ausgrenzung und Anderssein und vermeiden es, sich damit zu beschäftigen. Von 684 Schüler/innen, die hätten antworten können, haben nur 149 überhaupt an der Umfrage teilgenommen. Aber was bedeutet es, wenn etwas tabuisiert wird und warum ist es wichtig, dass man es anspricht und publiziert?

Ein wichtiges Tabuthema, das Ausgrenzung und Mobbing oft vorausgeht, sind die Schematisierung und der Druck, sich an eine von der Mehrheit vorgegebene Norm anpassen zu müssen, um beliebt zu sein. Mein Fokus liegt in diesem Text auf Schulen, deshalb vorweg: Die Schematisierung oder Druck, sich anzupassen, kann sich von Schule zu Schule verändern; sie hat auch oft etwas damit zu tun, auf welcher Schule man ist: Hauptschule, Realschule oder Gymnasium. Um dem Ganzen etwas auf den Grund zu gehen, habe ich bei der Umfrage wissen wollen:

  • Was muss man machen und wie muss man sein, damit man „beliebt“ wird?
  • Warum ist man unbeliebt, ohne dass man etwas dafür kann?
  • Was ist falsch an diesem System und was könnte dagegen helfen?

Meine Umfrage ergab, dem Großteil unserer Schülerschaft ist Beliebtheit wichtig, doch nur die Hälfte behauptet von sich, dass sie es ist. Ich habe in den Antworten auch oft das Wort „normal“ gelesen, wo sich mir die Frage stellt, was normal überhaupt bedeutet. 

Ist man normal, wenn man Markenkleidung trägt und allen Trends hinterherläuft, oder ist man normal, wenn man No-Name-Kleidung trägt? Ist man normal, wenn man Fußball spielt und rausgeht, oder wenn man lieber zu Hause sitzt und zockt, Serien durchsuchtet oder liest? Oder ist all das normal? Ich stelle mir auch die Frage, was für eine Rolle Individualität noch spielt, wenn man doch nur dafür ausgegrenzt oder sogar gemobbt wird, wenn man nicht in die Norm passt. Das Schema unserer Schule lässt sich ziemlich eindeutig aus den Aussagen aus der Umfrage herauslesen. Viele Schüler sagen, dass man nett sein und einen guten Style haben muss. Eine Antwort auf die Umfrage fasst das ziemlich gut zusammen:

Ich denke, dass man offen und freundlich, möglicherweise auch lustig sein muss, von beidem aber auch nicht zu viel, da es sonst ‚fake‘ wirken könnte. Außerdem spielen gutes Aussehen und gegebenenfalls Erfolg eine Rolle, da dies Dinge sind, die schon über eine Person bekannt sind, ohne dass man die Person wirklich kennen muss. Auch wenn dies sehr oberflächliche Aspekte sind, kommt es mir so vor, als wären sie essentiell.

Außerdem konnte ich herausfinden, dass 16,78 % der Schüler die Lage an der Eichenschule hinsichtlich Ausgrenzung und Mobbing schlimm finden, 6,4 % der Befragten sagen, dass die Lage sehr schlimm ist und 44,97 % der Befragten bereits selbst Mobbing erlebt haben. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass es Handlungsbedarf gibt. Besorgniserregend und erschreckend waren manche Aussagen und Geschichten der Schüler:

Ich war anders, meine Eltern waren geschieden. Ich hatte Secondhand-Kleidung und gerecht sein wollte ich auch noch. Das fanden die anderen Kinder an der Grundschule komisch und haben mich als Mobbingopfer ausgesucht. Sie haben mich verbal, aber auch körperlich verletzt, doch meine Lehrer taten es als Zickenkrieg unter Mädchen ab, auch wenn ich verweint im Unterricht saß. Meine psychischen Schäden wie Depressionen und Angststörungen wurden ignoriert.“

Doch nicht nur Depressionen plagen manche Schüler, auch Ticks verfolgen sie im Alltag. Man kann an solchen Aussagen ablesen, dass Ausgrenzung und Mobbing nicht erst in den höheren Jahrgängen schlimmer werden, sondern dass auch in der Grundschule schon Dinge passieren können, die die Kinder lange verfolgen. Das muss auch den Lehrern viel klarer werden. Es muss bereits in der Grundschule und im Kindergarten gegen Mobbing und Ausgrenzung vorgegangen werden. Aus vielen Aussagen aus der Umfrage lässt sich herauskristallisieren, dass Täter oft selbst Probleme haben und nur von sich ablenken wollen. Manche Betroffene geben an, gelernt zu haben, es an sich abprallen zu lassen, doch andere mit wenig Selbstbewusstsein können das nicht so einfach. Irgendwann manifestieren sich die Aussagen der Mobber im Kopf und man glaubt selbst daran. Auch nur kleine Meinungsverschiedenheiten können zu Mobbing führen, aber auch das Aussehen. Ob man schlank ist oder „dick“.

Laut einer Umfrage von Statista Research Department unter Jugendlichen aus dem Jahr 2023 haben 61 % der 14- bis 17-Jährigen in Deutschland bereits in irgendeiner Form Mobbing erlebt. Im Jahr 2021 lag der Prozentsatz noch bei 51 %. Laut der Pisa-Studie erlitten 2022 mehr als 12 % der 15-Jährigen in Deutschland Mobbing; 6 % davon wurden nicht nur psychisch, sondern auch physisch verletzt. Laut der Studie „Bündnis gegen Cybermobbing“ sind mehr als zwei Millionen Kinder und Jugendliche von Cybermobbing betroffen. Laut der Vorgängerstudie von 2022 ist der Anteil an Cybermobbing bei Jugendlichen um 1,8 % gestiegen. 13 % der Kinder haben aus Verzweiflung schon einmal zu Alkohol, Tabletten oder Drogen gegriffen. Und jede vierte betroffene Person hat Suizidgedanken. Das sind 26 % der Betroffenen. Das zeigt, wie schlimm die Situation an vielen Schulen ist und dass endlich etwas gegen Ausgrenzung und Mobbing gemacht werden muss. Das „Bündnis gegen Cybermobbing“ hat einige Tipps für pädagogische Fachkräfte, z. B. das von ihnen geschriebene klicksafe-Handbuch „Was tun bei Cybermobbing?“. Außerdem gibt es dort ein Quiz zum Thema Cybermobbing, das genutzt werden kann, und eine Reihe von Videos mit #ichwars von bekannten YouTubern, die selbst Erfahrungen mit Mobbing haben. Hier der Link zur Website: Klicksafe.

Eine einfache Präventionslösung wäre auch, wenn wir andere nicht auszugrenzen, wenn sie aus unserer Sicht nicht der „Norm“ entsprechen und unangepasst sind. Vielleicht lohnt es sich ja sogar, mal mit diesen Menschen zu reden und man lernt jemand sehr Nettes kennen. Und um zu meinem Anfang zurückzukommen: Probleme anzusprechen, sie nicht zu tabuisieren, ist ein wichtiger Schritt, um Opfern zu helfen und Lösungen zu finden.

Eine Reportage von Emily aus Redaktionsteam 9

Das Beitragsbild wurde mit KI generiert.