My body my choice! Warum Feminismus notwendig ist
Am vergangenen Samstag war Weltfrauentag. Über diesen Tag hatte Charlotte euch informiert. Heute möchte ich daran anschließen und ein wichtiges Tabuthema behandeln, und zwar die Unterdrückung der Frauen und die weitere Relevanz des Feminismus. Ich weiß, dass viele von euch denken werden, dass der Feminismus keine große Rolle mehr spielt und nicht mehr wichtig ist. Doch genau das Gegenteil ist der Fall. Die Welt erleidet gerade einen gewaltigen Rückschlag. Nicht nur in Afghanistan, wo Frauen so gut wie keine bis keine Rechte mehr haben, auch hier in Deutschland haben wir ein Problem, beispielsweise mit häuslicher Gewalt oder Femizide (das bedeutet: Ermordung von Frauen durch Männer aufgrund ihres Geschlechts), oder auch in den USA, wo die TradWifes gerade Social Media fluten und sich in eine patriarchale (das bedeutet: von Männern dominierte) Gesellschaft von vorgestern zurückträumen.
Blicken wir einmal auf den Aspekt der Gewalt gegen Frauen und der Femizide. Dazu habe ich ein paar Zahlen recherchiert: Gewalt zu erleiden, prägt den Alltag vieler Frauen in Deutschland. Von Jahr zu Jahr steigen die Zahlen von Vergewaltigungen, häuslicher Gewalt oder Mord an Frauen. In den letzten fünf Jahren ist die Anzahl der Opfer in Deutschland um 17,5 % angestiegen und erreichte im Jahr 2023 einen neuen Höchststand. Alle vier Minuten erlebt eine Frau in Deutschland Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner, und fast jeden Tag findet in Deutschland ein Femizid statt. 331 Frauen wurden Opfer von versuchtem oder vollendetem Mord oder Totschlag, 155 Frauen wurden durch ihren Partner oder Ex-Partner getötet. Das heißt, dass alle zwei Tage eine Frau umgebracht wird! 12.931 Frauen wurden von ihrem Partner oder Ex-Partner schwer oder gefährlich verletzt. 4.622 Frauen erlebten sexualisierte Gewalt durch ihren Partner oder Ex-Partner, das heißt, alle zwei Stunden! Mit 79,2 % richten sich die Delikte der Partnerschaftsgewalt gegen Frauen. Bei Deliktsbereichen wie Vergewaltigungen, sexueller Nötigung, Freiheitsberaubung, Bedrohung und Stalking ist der prozentuale Anteil weiblicher Opfer besonders hoch. Sie liegt bei Zwangsprostitution oder Zuhälterei bei 100 %. Wie kann das überhaupt sein?!
Hier werden aber nur die Zahlen abgebildet, die auch wirklich zur Anzeige gebracht und in einer (ehemaligen) Partnerschaft verübt wurden. Die Dunkelziffer ist weitaus höher! Bald Ex-Bundesfamilienministerin Lisa Paus erläutert, dass davon auszugehen ist, dass zwei Drittel der Frauen nicht zur Polizei gehen. Nach sogenannten Dunkelstudien hat jede dritte Frau in Deutschland mindestens einmal in ihrem Leben Gewalt erlebt. Das sind mehr als 12 Millionen Frauen, so das BMFSFJ 2024. Dieses Jahr ist eine neue Studie zu dem Thema geplant.
Auch im Alltag erleben wir kleine Ungerechtigkeiten, die zwar nicht groß auffallen, doch unfair sind. In der Sendung „Die Anstalt – Freunde des Patriarchats“ vom November 2024, die ihr in der ZDF-Mediathek findet, werden einige Aspekte des Themas auf lustige und anschauliche Weise erklärt. Da ist zum Beispiel der Punkt, dass Frauen, wenn sie bis zum 32. Lebensjahr noch keine Kinder haben, 2 % mehr Steuern zahlen müssen. Oder dass, wenn in einem Beruf mehr als 60% Frauen arbeiten, die Gehälter sinken. Schaut doch mal in der ZDF-Mediathek vorbei.
Es gibt in Deutschland auch ein Gesetz, das uns Frauen stark in der Selbstbestimmung über unseren Körper einschränkt. Laut Paragraph 218 ist es uns Frauen nämlich ab der zwölften Woche einer Schwangerschaft verwehrt, darüber zu entscheiden, ob wir das Kind austragen oder nicht. Wenn wir es nicht austragen wollen, müssen wir vor Ablauf der zwölf Wochen ein Gespräch führen, bei dem wir gefragt werden, ob wir uns das wirklich gut überlegt haben. Der richtige Abtreibungstermin ist erst drei Tage nach dem Gespräch erlaubt. Wenn also nach der 12. Woche festgestellt wird, dass das Kind eine Behinderung hat, darf man es bis zur 21. Woche noch abtreiben. Dabei stelle ich mir die Frage, wie das dann gerechtfertigt wird.
Wenn man nach Ablauf der zwölf Wochen das Kind abtreibt, gilt es als ein Tötungsdelikt und es droht eine Gefängnisstrafe. Doch wann ist das Kind überhaupt am Leben? Manche sagen erst bei der Geburt, andere sagen, sobald es entsteht. Das Gesetz sagt dann aber ab der 12. Woche oder bei Kindern mit Behinderung ab der 21. Woche.
Was ich nicht verstehe, ist der Fakt, dass – als über dieses Gesetz 1975 und 1993 entschieden wurde -, sieben der acht Verfassungsrichter Männer waren, obwohl über ein Gesetz entschieden wurde, das vor allem weitreichende Folgen im Leben von Frauen hat. Oft ist es auch so, dass Frauen erst in weiter fortgeschrittenen Phasen der Schwangerschaft feststellen, dass sie schwanger sind. Gerade in ländlichen Bereichen haben sie dann gar keine Zeit und Möglichkeit, zu einem Arzt zu fahren, da es auch immer weniger Ärzte gibt, die diese Art der ärztlichen Hilfe ausüben. Was es vielen Frauen unmöglich macht, einen Schwangerschaftsabbruch herbeizuführen.
Außerdem wird vielen Frauen von ihren Frauenärzten verweigert, sich sterilisieren zu lassen, auch wenn sie es sich gut überlegt haben. Wo wir wieder dabei sind, dass uns die Entscheidung über unseren Körper genommen wird. Jemandem aus meiner Familie wurde es mehrfach verweigert, und die Aussage der Ärztin war: „Vielleicht trennen Sie sich von Ihrem Mann und Ihr späterer Mann will noch ein Kind.“
Ich halte fest, dass dringend bei beiden Thematiken weiteres getan werden muss, auch wenn sich schon viele Menschen dafür einsetzen und immer mehr auch über Social Media darüber geredet wird. Gute Accounts und Menschen sind z. B. @josischreibt_, sie redet und kämpft über und für den Feminismus. Der ist nämlich nach wie vor wichtig, weil von Geschlechtergerechtigkeit noch immer nicht die Rede sein kann.
In meinem nächsten Beitrag, der am Donnerstag hier im Blog erscheint, werde ich über weitere Tabuthemen sprechen, unter anderem über Normierung an Schulen und Mobbing der Leute, die sich diesen Normen nicht unterwerfen. Dazu ist es interessant, einmal den Account von Carsten Stahl anzuschauen, der über Mobbing redet und dagegen kämpft, da er selbst eine ganze schlimme Geschichte hinter sich hat.
Ein Kommentar von Emily aus dem Redaktionsteam 9
Das Beitragsbild haben wir mit KI generiert.