Reise für alle? Die Herausforderung, sich einen Urlaub zu leisten
Die Osterferien sind in Sichtweite und bei vielen Schüler/innen steigt die Vorfreude auf die freie Zeit. Für einige stehen Reisen an, andere müssen jedoch zu Hause bleiben.
Reisen: Strandurlaub, Urlaub in den Bergen, Städtereise und vieles mehr. Wer verreist nicht gern? Ob mit der Familie, mit Freunden oder auch alleine – Erholung ist vielen wichtig. Aber ob man das auch immer kann beziehungsweise die Möglichkeit dazu hat, ist eine andere Frage. Können sich die Menschen heute noch eine Reise leisten?
Die deutsche Bevölkerung gilt als ein reisefreudiges Volk. Trotz allem ist Urlaub hier als Luxusgut bekannt. Warum ist das so? Die Urlaubssehnsucht nach der Pandemie und die hohe Inflation in den vergangenen Jahren haben die Urlaubspreise immer weiter in die Höhe getrieben. 55 Millionen Menschen sind im letzten Jahr für mindestens fünf Tage verreist, trotz erhöhter Reisekosten. Fast 87 Milliarden Euro wurden insgesamt von diesen 55 Millionen ausgegeben. Eine einzelne Person gab demnach 1.538 Euro aus – was eine Menge Geld ist, nur um in den Urlaub zu fahren. Wie soll sich das zum Beispiel eine Familie mit mehreren Kindern leisten oder alleinerziehende Elternteile? Eine erwachsene Person verdient durchschnittlich 3.540 Euro brutto im Monat, und die Lebenshaltungskosten liegen bei Mehrpersonen-Haushalten bei durchschnittlich 2.800 Euro pro Monat, plus zwischendurch noch andere Kosten. Da bleibt nicht viel Geld, damit die Familie in den Urlaub fahren kann, und gerade Kinder wollen in den Ferien auf jeden Fall in den Urlaub. Also bleibt die Frage: Können Eltern, Alleinreisende etc. sich eine Reise noch leisten? Denn 22,8 Prozent konnten es im letzten Jahr nicht.
Und eine weiter Frage schließt sich an: Was macht es mit Kindern, wenn ihre Eltern das nicht können und sie nicht in den Urlaub fahren? Was geht in ihnen vor, wenn sie zum Beispiel in der Schule von ihren Freunden hören, dass alle in den Ferien in ein anderes Land fahren, und sie selbst wissen, dass sie zu Hause bleiben müssen? Was macht das mit ihnen? Entsteht dabei Traurigkeit, Neid oder auch Wut? Wie fühlen sie sich, wenn sie selbst nicht verreisen können?
Wahrscheinlich kann jeder nachvollziehen, dass Kinder oder auch Erwachsene oft traurig darüber sind, wenn sie in den Ferien nicht in den Urlaub fahren können. Sie sind traurig, werden wütend auf ihre Eltern und vielleicht auch neidisch auf ihre Freunde. Aber trotzdem können Eltern oft nichts daran ändern, dass sie nicht in den Ferien wegfahren, denn wenn es zu teuer ist und sie es sich nicht leisten können, ist es schwierig, noch etwas zu machen, damit sie wegfahren können.
Dabei ist Urlaub auch gerade für Kinder sehr wichtig, denn wie Erwachsene sind sie oft hohem Leistungsdruck ausgesetzt. So leiden beide unter Stress, da man Schule oder Kindergarten mit einem Arbeitstag vergleichen kann. Zu viel Stress und lange Stressperioden können bei Kindern Krankheitssymptome hervorrufen, beispielsweise Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopf- oder Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Gereiztheit oder Leistungsabfall. Dagegen bieten Ferien die Chance, neue Kraft zu tanken und sich auszuruhen. Eine Urlaubsreise bedeutet für Kinder jede Menge Spaß. Daher sollte man möglichst kinderfreundliche Freizeitaktionen mit einbauen, zum Beispiel den Besuch eines Freizeitparks, eines Aquariums oder eines Schwimmbads. Wenn die Kinder Spaß haben, sind alle glücklicher, zufriedener und entspannter.
Aber woher kommt eigentlich die Verteuerung? Der DRV sowie die Reiseveranstalter schieben die Verteuerung der Reisekosten auf Inflation, gestiegene Personalkosten und höhere Flugpreise. Flugreisen waren aus Nachhaltigkeitsperspektive zu günstig, und günstige Flugreisen sind schädlich für die Umwelt. Auch gestiegene Energie- und Lebenshaltungskosten spielen einen großen Einfluss darauf, ob sich Familien einen Urlaub leisten können. Hinzu kommt, dass hohe Nachfrage und begrenztes Angebot die Profitgier der Veranstalter anheizen.
Rund ein Viertel der Befragten gab in einer Umfrage für 2024 an, dass sie sich in diesem Jahr keine Reise leisten können. Trotzdem möchten die Deutschen nach wie vor verreisen. Besonders der Sommerurlaub bleibt vielen wichtig. Wenn dann jedoch aufgrund finanzieller Einschränkungen keine zwei Urlaubsreisen möglich sind, verzichten viele auf eine Reise im Winter. 73 Prozent der Bevölkerung planten für dieses Jahr sicher zu verreisen, und die restlichen Prozente hatten schon ein festes Ziel oder es stand noch offen, ob sie verreisen wollen. Urlaub ist für die meisten gesetzt – stattdessen wird offenkundig auf andere nicht unbedingt notwendige Konsumausgaben und größere Investitionen verzichtet.
Wenn man sich insgesamt das Jahr 2024 anschaut, erkennt man, dass die Prognosen sich immer weiter positiv steigerten. Nicht aus dem Grund, dass die Preise sich vergünstigt haben, sondern weil die Menschen die Reisefreude trotz Inflation und Pandemie in den vergangenen Jahren beibehalten haben. Pandemie und Inflation bewirkten nicht nur, dass die Menschen die Reiselust beibehalten haben, sondern auch, dass sie gesteigert wurde. Da man natürlich die Urlaube nachholen will, die man während der Pandemie und Inflation nicht machen konnte. Die Reiselust der Menschen ist daher der Hauptgrund für die steigenden Umsätze der Reisebranche – nicht günstigere Preise. Denn selbst Menschen, die in den Urlaub fahren, verzichten oft auf andere nicht unbedingt notwendige Ausgaben. Ebenso gibt es Menschen, die, auch wenn sie auf andere Dinge verzichten, sich keine Reise leisten können. Dies liegt immer noch an hohen Reisekosten, hohen Energie- und Lebenshaltungskosten etc. Wie sieht es nun für das kommende Jahr 2025 und die folgenden Jahre aus?
„Alles wird teurer“ – dieser Satz begleitet Reisende seit Jahren. Auch 2025 wird alles teurer, jedoch nicht so schnell wie in den vergangenen Jahren. Laut dem „Global Business Travel Forecast 2025“ werden sich die Urlaubskosten statt erheblicher Schwankungen stabilisieren – das gilt für Geschäftsreisen und Urlaubsreisen. Laut der Prognose sollen die Flugkosten 2025 um 1,4 Prozent steigen. Grund für die erhöhten Preise seien Probleme in der Luftfahrtbranche, wie Schwierigkeiten bei der Produktion von Maschinen oder verzögerte Auslieferungen und mangelhafte Lieferketten. Doch trotzdem hält das die Menschen nicht vom Reisen ab.
Wer sich wünscht, eine Reise zu machen, aber von den Preisen abgeschreckt wird, kann durch frühzeitiges Buchen oder durch Preisvergleiche zwischen verschiedenen Buchungsportalen und Reisebüros sparen. Die Preise schwanken oft je nach Tag, sodass es sich lohnt, an unterschiedlichen Tagen nachzuschauen.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Preise in der Reisebranche durch Faktoren wie Inflation und Pandemie gestiegen sind und auch in Zukunft weiter ansteigen werden, wenn auch langsamer und weniger stark. Die Umsätze der Reisebranche sind gestiegen und werden vermutlich weiter steigen. Aufgrund der gestiegenen Reiselust, die sich nach der Pandemie bei den Menschen etabliert hat, bleibt die Reisebranche weiterhin profitabel. Mit hoher Wahrscheinlichkeit wird es also dauerhaft Menschen geben, die sich den Urlaub nicht leisten können, da die Preise der Reisebranche in den kommenden Jahren nicht niedriger werden. Daher sollte man, wenn man alleine oder mit der Familie verreisen möchte, in den kommenden Jahren sparen – auch wenn es nur ein Urlaub im eigenen Land ist. Denn Urlaub ist wichtig für alle, ob Erwachsene oder Kinder, um sich zu erholen, neue Energie zu tanken und dem Stress von Arbeit sowie Schule oder Kindergarten zu entkommen.
Ein Kommentar von unserer Redakteurin Isabell aus dem 9. Jahrgang