Vier Monate, zwei Kulturen und unzählige Erinnerungen

Die beiden Austauschschülerinnen Alexia und Luciana waren für ein knappes halbes Jahr Schülerinnen in der 10d der Eichenschule. Kurz vor ihrer Abreise haben wir uns mit ihnen getroffen.

ES-Magazin: Erst einmal hallo ihr beiden, wollt ihr euch einmal kurz vorstellen?

Alexia: Ich bin Alexia Knopfelmacher und ich komme aus Paraguay.

Luciana: Und ich bin Luciana Casaccia und ich komme auch aus Paraguay.

ES-Magazin: Wir fangen direkt einmal mit eurer Ankunft an: Was war euer erster Gedanke, als ihr hier am Flughafen angekommen seid?

Alexia: Vielleicht so in die Richtung „Was mache ich hier“ Und ich hatte auch ein bisschen Angst.

Luciana: Ja, bei mir war es ein bisschen ähnlich, ich war aber auch ein bisschen verwirrt, weil ich nicht wusste, wo ich war, fast ein bisschen verloren.

ES-Magazin: Und was war seitdem euer größter Kulturschock?

Alexia: Wahrscheinlich, dass es so ruhig ist. Und alle sind sehr diszipliniert.

Luciana: Bei mir ist es das Essen. An sich ist es gar nicht so anders, aber zuhasue essen wir immer Fleisch, hier ist das weniger. Und auch die Menschen, weil die auch so anders sind als bei uns.

ES-Magazin: Und was ist euer Lieblingsessen hier?

Alexia: (lacht) Franzbrötchen!

Luciana: Ich liebe Süßkartoffeln

ES-Magazin: Ihr mögt ja beide süße Sachen sehr gern und ihr wart ja auch über Weihnachten hier, also während den Weihnachtsmärkten. Was würdet ihr sagen, ist auf dem Weihnachtsmarkt euer Highlight gewesen?

Alexia: Ich war auf dem Weihnachtsmarkt hier in Scheeßel und die Konzerte dort waren richtig cool. Alle Menschen von der Schule waren da und haben sogar selber ein Konzert gespielt.

Luciana: Ich glaube generell, dass die Menschen sowas machen und während dem kalten Wetter alles vorbereiten und dort so lange stehen. Das ist für mich das schönste.

ES-Magazin: Und was ist euer Lieblingsessen auf dem Weihnachtsmarkt?

Alexia: Das ist jetzt nicht wirklich ein Essen, aber der Kinderpunsch.

Luciana: Ich mag kein Kinderpunsch, aber ich glaube vom Essen her, die Schokoerdbeeren.

ES-Magazin: Dann kommen wir einmal zu Paraguay. Ich glaube, viele wissen nicht viel über Paraguay, vielleicht könnt ihr ein bisschen was darüber erzählen.

Alexia: Also Paraguay ist ein Land in Südamerika, liegt nicht am Meer und ist größer als Deutschland. Paraguay hat aber viel weniger Einwohner.

Luciana: Ja, wir sind ungefähr 6 Millionen Menschen. Die Hauptstadt ist Acunición und wir haben zu drei anderen Ländern; Brasilien, Argentinien und Bolivien.

ES-Magazin: Ihr wohnt ja in der Hauptstadt, in Asuncion. Was macht ihr da so in eurer Freizeit?

Alexia: Es gibt viele Parks, wo man mit dem Hund spazieren gehen kann, das mach ich gerne. Oder vielleicht shoppen gehen.

Luciana: Ja ich würde auch sagen shoppen oder essen gehen.

ES-Magazin: Was findet ihr, ist in Asuncion komplett anders an als in Deutschland? Was vermisst ihr so am meisten?

Alexia: Ich würde tatsächlich sagen den Verkehr, weil ich es eigentlich mag im Auto zu sein. Und in Paraguay sind wir viel mehr im Auto, anders als hier. Nur zum Beispiel wenn du nach Bremen fährst.

Luciana: Ja ich glaube bei mir auch das Auto fahren, in Paraguay fährst du immer und die Straßen sind immer voll.

ES-Magazin: In Paraguay geht ihr auf eine deutsche Schule. Wie ist es dazu gekommen?

Alexia: Paraguay hat sehr viel Einwanderer, also viele Deutsche. Besonders auf dem Land. Unsere Schule ist daher nicht die einzige deutsche Schule in Paraguay.

Luciana: Es können generell viele Menschen Deutsch sprechen, die meisten leben allerdings auf dem Land.

ES-Magazin: Sprecht ihr in der Schule und in den Pausen dann auch eher Deutsch oder nur Spanisch?

Alexia: Wir sprechen eigentlich nur Spanisch.

Luciana: Wir haben Deutsch ja nur als Fach und dann auch noch Biologie und Geschichte auf Deutsch, der Rest ist auf Spanisch.

ES-Magazin: Ihr müsst in Paraguay Schuluniform tragen. Mögt ihr das oder nervt es euch eher?

Alexia: Ich mag, dass ich mir nicht jeden Tag Kleidung aussuchen muss, aber die Uniform ist manchmal ein bisschen nervig.

Luciana: Ja, vor allem beim Sport machen. Aber wie Alexia gesagt hat, ist es leichter nicht immer überlegen zu müssen, was man morgens anziehen will.

ES-Magazin: Und wisst ihr schon, was ihr nach der Schule machen wollt?

Alexia: Ich würde gerne Biochemie studieren, vielleicht in Deutschland oder in Kanada, da bin ich mir noch nicht sicher.

Luciana: Ich möchte Medizin oder Kriminalistik studieren.

ES-Magazin: Ihr wart hier schon im Stadion.Und was mögt ihr lieber, Fußball spielen oder Fußball gucken?

Alexia: Ich spiele selber Fußball, aber ich mag es lieber Fußball zu gucken.

Luciana: Bei mir ist es auf jeden Fall lieber gucken als spielen.

ES-Magazin: Seid ihr hier auch Fan von einer Mannschaft geworden?

Alexia: St. Pauli!

Luciana: Ich nicht wirklich, aber ich war auch einmal bei St. Pauli und war auch cool.

ES-Magazin: Ist es im Stadion in Paraguay anders hier in Deutschland?

Alexia: Ja, also schon im Vergleich zu den drei Spielen, die ich hier gesehen habe. Hier war es nicht so, dass du während des Spiels mit anderen Menschen um dich herum, die du nicht kennst, sprichst. Aber in Paraguay sind wir alle eins, das ist ein tolles Gefühl.

Luciana: Ja, aber in Paraguay ist auch viel gefährlich als hier glaube ich.

ES-Magazin: Ich gehe ja auch nächstes Jahr nach Paraguay zu euch, habt ihr jetzt schon irgendwelche Tipps für mich? Also sollte ich irgendwie vor irgendwas Angst haben außer vor den Spinnen und Schlangen?

Luciana: Ich würde sagen, du kommst zwar im Winter, aber du musst auf jeden Fall Sommerkleidung mitbringen. Bei uns ist es im Winter nicht sehr kalt. Das im Moment (ca. 10 Grad) ist unser kältestes Wetter.

Alexia: Aber das ist auch schön, das siehst du dann, wenn du kommst. Trotzdem werden es manchmal nachmittags 20 Grad im Winter.

ES-Magazin: Und was muss ich unbedingt zu Essen probieren?

Alexia: Uh, wir haben viele typische Gerichte, die du probieren musst. Das typischste ist Asado, denke ich. Da grillen wir ganz viel Fleisch

Luciana: Aber ich glaube Chipa (herzhaftes Käsegebäck) oder Mbeju (ähnlich wie mit Käse gefülltes Fladenbrot) musst du auch unbedingt probieren.

ES-Magazin: Und was denkt ihr wird mein größter Kulturschock, wenn ich da bin?

Alexia: In Paraguay ist es wirklich laut, an allen Plätze dort. Und wenn die Menschen sprechen, schreien sie eher, als das sie wirklich reden (lacht). Das ist dort ganz normal.

Luciana: Und vielleicht, das ist hier anders, dass Sonntags in Paraguay auch alle Geschäfte aufhaben. Du kannst dann zum Beispiel, wenn du sonntags nichts zu tun hast, einfach in ein offenes Einkaufszentrum zum Shoppen gehen.

ES-Magazin: Ich glaube, ich werde euch, wenn ihr nächste Woche weg seid, richtig doll vermissen. Wie würdet ihr eure Zeit im Nachhinein in ein paar Worten beschreiben?

Luciana: Mir reicht vielleicht nur ein Wort: außergewöhnlich.

Alexia: Das ist mein Wort, das wollte ich auch sagen! Ich würde sagen trotzdem sagen, dass es richtig schön war, die Zeit hier zu verbringen. Ich habe am Anfang gedacht, es wird schlimmer und unangenehmer sein, aber ich hatte eine richtig, richtig schöne Zeit.

ES-Magazin: Das klingt toll, vielen Dank

Das Interview wurde von Jule aus dem 10. Jahrgang geführt.

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