Der Reitsport – wirklich so toxisch wie alle sagen?
Das typische Klischee des Reitens: hoher Leistungsdruck, toxische Atmosphäre, Tierquälerei. Aber ist da eigentlich wirklich was dran? Stimmt es, dass die Pferde als ,,Sportgeräte“ genutzt werden und ihr eigenes Wohl hinten angestellt wird? Oder ist es doch alles nur ein Mythos? Diese Fragen versucht habe ich versucht, hier zu klären.
Ist Reiten Tierquälerei?
Wohl die meist gestellte Frage im Reitsport ist, ob es Tierquälerei ist auf Pferden zu reiten. Zu diesem Thema gibt es deswegen auch die meisten Ansichten. Die Organisation PETA hat klar geschildert : Es sei unethisch auf Pferden zu reiten und sie damit einem enormen Druck, als auch auch unverantwortlichen Trainingseinheiten unfreiwillig auszuliefern. Durch Turniere sind die Tiere permanentem Stress ausgesetzt, durch die laute Umgebung und Menschen auf und neben den Reitplätzen schnell reizüberflutet. Laut PETA ist der Reitsport nicht mit dem Tierschutz zu vereinbaren. Die Tiere werden neben dem Training und dem hohen Stress durch Reiter auch für Gewinne, ,,ausgenutzt“ die so erwirtschaftet werden können. Dies spricht klar gegen den moralischen Wert der Tiere und sei nicht rational von Pferdebesitzern, die ihre Tieren so etwas aussetzen. ,,Es kommt auf die Art des Reitens an.“ Das vertritt auch die Redaktion der ARD Mediathek. Es geht um Druck und falsche Methoden des Reiters. So etwa die Rollkur (das gewaltsame ziehen des Kopfes zur Pferdebrust), so eine Dokumentation von Quarks (WDR). Oder das zu harte Einsetzen von Gerten und Sporen, die nachweislich zu Stress und Schmerzen fürs Pferd führen. Die Pferde können dadurch auch langfristige Schäden tragen, so Forscher der ARD. Zum Beispiel Taktfehler der Pferde und Schwellungen an Hals, Brust und anderen Körperstellen. Außerdem kann die Gerte zu Hämatomen (Blutergüssen) führen, wenn ma nicht mit der Gerte umzugehen weiß. Auch wenn man es vielleicht nicht denkt, auch Pferde können von so etwas sowohl körperliche als auch psychische Schäden nehmen. Teilweise haben Pferde ihr Leben lang Angst vor Gerten, Menschen oder bestimmten Geräuschen und können Traumata davon tragen. Außerdem leiden viele Pferde häufig an einer nicht-artgerechten Haltung. Etwa zu kleine Boxen oder falschem Futter, was zu Koliken und vielen weiteren Problemen führen kann, so Ethik Guide. Die Universität Göttingen untersucht systematisch, wie sich die Meinungen von Turnierreitern, Freizeitreitern und Zivilisten zu dem Thema unterscheidet. Raus kommt: es verbreitet sich immer mehr Skepsis unter der Bevölkerung gegenüber des Reitsports. Das Turnierreiten wird immer mehr kritisiert und hinterfragt.
Sind Pferde Sportgeräte oder werden sie so gesehen?
Nein, Pferde sind und sollten keines Falls als ,,Sportgeräte“ gesehen werden. Pferde sind Tiere und müssen auch so behandelt werden. Sie sollten genügend Futter bekommen, eine artgerecht Bewegung erhalten und in einem artgerechten Stall stehen. Jedoch gibt es leider auch genug Menschen, die dies nicht so ernst nehmen wie andere. Diese Fälle sollten dem Tierschutz gemeldet werden.
Doch gibt es überhaupt noch positive Seiten des Reitsports, oder sind alle Reiter Tierquäler und handeln gegen den Willen der Pferde?
Neben dem oft harten Turniersport und dem häufigen erzwingen schwieriger Lektionen im Training gibt es auch gerechtere Reitarten für die Pferde, so Tierschutzorganisationen wie die Thieme Tiermedizin. Das pferdegerechte Reiten, wobei mit dem Pferd gerecht an Aufgaben gearbeitet wird. Hierbei liegt der Fokus darauf das Pferd gerecht und nicht unfair geritten wird, was eigentlich allgemein so sein sollte. Ohne ziehen am Zügel und im Maul oder starker Druck mit der Verse und nicht mit dem Schenkel. Man arbeitet also mit dem Pferd und zum Wohl diesem und nicht gegen das Pferd und für menschliches Wohlbefinden.
Hoher Leistungsdruck und ein toxisches miteinander?
Im Reitsport kann man auf jeden Fall davon reden, dass ein sehr hoher Leistungsdruck entstehen kann. Von Stallhirarchien bis hin zu strengen Trainern. Gerade im Turniersport, wie bei anderen Sportarten wie Fußball oder Handball besteht ein hoher Druck, immer am besten abschneiden zu wollen, möglichst viele Schleifen, gute Platzierungen und Siege zu ergattern. Um zu gewinnen, stellen manche Reiter und auch deren Trainer das Wohl des Pferdes oft in den Schatten, manchmal unbewusst, manchmal bewusst.
Um nicht nur das Turnierreiten zu kritisieren, kann und sollte man sich auch die Verhältnisse der Reiter in Vereinen und zugehörigen Ställen anschauen. Denn auch dort wird sich gemessen und verglichen. Wer hat den besten Sattel, den teuersten Helm und das beste Pferd. Man kann durch aus sagen, das manche Verhältnisse in Ställen sehr toxisch sind. Doch auch entstehen in Reitanlagen und Ställen neue und teils lange und wichtige Freundschaften fürs Leben. Man begegnet sich auf einer Wellenlänge, reitet vielleicht sogar die selben Pferde und kümmert sich zusammen um Aufgaben am Stall. Wie Pferde füttern oder den Reitplatz nach dem gemeinsamen Reiten abziehen bzw. begradigen, das putzen es Stalls und säubern von Equipment. Viele Stallfreunde gehen zusammen ausreiten oder reiten gemeinsam in einer Reitstunde.
Der Reitsport hat viele Welten, die, die zu kritisieren sind und die, die man mit den Tieren vereinbaren kann. Es gibt weiterhin viele Meinungen dazu. Der Artikel hat Ihnen vielleicht die Augen geöffnet und lassen sich Ihre Meinung überdenken.
Dieser Artikel wurde von Tamara aus dem 9. Jahrgang geschrieben.