Die Vogelgrippe – Was ist das eigentlich?
Die Vogelgrippe hat Niedersachsen voll im Griff. In den letzten Wochen wurden 769 Fälle (Stand 27. November) registriert, von Wildvögeln wie Kranichen bis hin zu Betrieben. Seit Ausbruch der Grippe sind schon über 1,6 Millionen Tiere in Niedersachsen verendet (oder gekeult worden). In bisher 67 Betrieben wurde die Grippe identifiziert, daher machen sie mit insgesamt 1.574.448 toten Tieren den Großteil der verstorbenen Tiere aus.
Das Landwirtschaftsministerium hat zuletzt in zwei Landkreisen eine Tierseuchenkrise festgestellt. Damit sollen sie besser unterstützt werden können. Es handelt sich hierbei um die Landkreise Cloppenburg und Oldenburg. Doch rechnet das Landwirtschaftsministerium mittelfristig mit weniger Ausbrüchen. Grund dafür seien Sperrzonen und Verbote Ställe wiederzubelegen. Trotzdem liegt der bisherige Schaden durch die Tierseuche bei rund 17 Millionen Euro. Dies kommt durch Kosten von den Tötungen, der Reinigung der Ställe und der Entschädigungszahlungen für betroffene Tierhalter.
Doch wieso breitet sich das Virus eigentlich so schnell aus? Die Vogelgrippe verbreitet sich vor allem über Zugvögel. Sie tragen das Virus auf ihren Routen in neue Regionen. Häufig erfolgt die Infektion durch verschmutzte Schuhe, Fahrzeuge oder Arbeitsmaterialien in Betrieben. Trotz der hohen Sicherheitsstandards, schafft es das Virus immer wieder Lücken zu finden. Leider spielt der Mensch dabei auch eine große Rolle. Für Menschen gilt das Virus derzeit als wenig gefährlich. Allerdings können infizierte Personen das Virus weitergeben. Und wenn erst mal ein Tier angesteckt ist, wird über die enge Massentierhaltung das Virus ganz schnell verbreitet. Oft breitet sich das Virus so schnell aus, dass Betriebe die Tiere aus Seuchenschutzgründen töten müssen. Verursacht wird das Virus über verschiedene A-Viren. Am gefährlichsten sind die Subtypen H5 und H7. Der Typ H5N1 führt häufig zu schnellen und hohen Tiertoden.
Zur Info: A-Vieren bezieht sich meist auf Influenza-A-Vieren, die zu den häufigsten Erregern von Grippeepidemien gehören und sowohl Menschen als auch Tiere befallen können. Sie sind verantwortlich für schwere Krankheitsverläufe, können ganze Epidemien auslösen und lassen sich in verschiedene Subtypen einteilen, die durch unterschiedliche Kombinationen von Oberflächenproteinen (Hämagglutinin und Neuraminidase) gekennzeichnet sind.
Die Landesbeauftragte für Tierschutz Julia Pfeier-Schlichting kritisiert im Politikmagazin Rundblick, mit Blick auf die vielen Tötungen die Massentierhaltung. „Ich halte die gesamte Tierseuchenpolitik aus Sicht des Tierschutzes für fragwürdig“ Sie fordert präventive Maßnahmen der EU. Dazu müsse diese EU-Regeln anpassen. Im besonderen kritisiert sie die Massentierhaltung bei Geflügel. Die Entwicklung der Erreger von ansteckend zu hochansteckend passiere dort und nicht in der Natur.
Das Risiko für Säugetiere wird derzeit als gering eingeschätzt. Allerdings sind Infektionen bei bestimmten Säugetieren nicht undenkbar. Ein höheres Risiko besteht bei Katzen und Füchsen. Sie können sich anstecken, wenn sie kranke oder tote Vögel berühren oder fressen. Für Menschen besteht ein sehr geringes Risiko, es wird erst gefährlich wenn das Virus mutiert und sich von Mensch zu Mensch effizienter verbreiten kann. Daher der Rat, Eier immer hart kochen und Fleisch komplett durchbraten, sodass kein roter Saft mehr austritt.
Die Krise macht deutlich, dass die bisherigen Maßnahmen zwar notwendig, aber nicht ausreichend sind. Besonders die Kritik an der Massentierhaltung zeigt, dass langfristige Lösungen gebraucht werden. Nur wenn Haltungssysteme verbessert und EU-Regeln angepasst werden, kann das Risiko zukünftiger Ausbrüche verringert werden. Und auch wenn das Risiko für Menschen derzeit gering ist, bleibt die Vogelgrippe eine ernsthafte Herausforderung.