Time to say goodbye: Das Abschiedsinterview mit Herrn Baumgart

Auch Herr Baumgart wird uns am Ende dieses Schuljahres leider verlassen. Herr Baumgart, der durch seine lange Zeit hier an der Eichenschule die Schülerschaft und den Mathe- sowie den Erdkundeunterricht geprägt hat. Das Interview zu führen, war sehr unterhaltsam und wir konnten ihm ein paar schöne Geschichten aus seiner Zeit an der Eichenschule entlocken. 

ES-Magazin: Erstmal schön und vielen Dank, dass Sie heute gekommen sind. Wir würden direkt mit unserer ersten Frage anfangen: Wie lange sind Sie bereits Lehrer? 

Herr Baumgart: Wenn man das Referendariat mitzählt, seit November 88 und an der Eichenschule unterrichte ich seit Sommer 1990, also 35 Jahre.

ES-Magazin: Was hat Sie dazu gebracht, Lehrer zu werden? War das Ihr Traumberuf? 

Herr Baumgart: Ich wollte seit der siebten Klasse Lehrer werden. Der Grund war mein Mathematiklehrer. Er war unser Schulleiter, der mich von Klasse 5 bis Klasse 10 unterrichtet hat. In der 11 hatte ich ihn nicht und in der 12 hatte ich Leistungskurs bei einer Dame, die nicht so gut unterrichtet hat. Deshalb hatte ich zusätzlich mit seiner Genehmigung Grundkurs bei ihm. Bei ihm habe ich mehr gelernt als im Leistungskurs, allerdings brauchte ich im Leistungskurs die Punkte fürs Abitur. Dieser Lehrer hat mich dazu veranlasst, selbst Lehrer zu werden. Für Erdkunde habe ich mich schon immer interessiert. Es geht also schon lange zurück. 

ES-Magazin: Sie unterrichten Erdkunde und Mathe. Unterrichten Sie eines der Fächer lieber und wenn ja, warum?

Herr Baumgart: Mathe, das kommt jetzt nicht überraschend. Ich unterrichte euch ja und ihr merkt, dass ich Mathe gern unterrichte. Das heißt nicht, dass ich Erdkunde nicht gern unterrichte, aber Mathe ist „so mein Ding“, wie man so schön sagt. Ich kann weiter gar keinen Grund dafür anführen. 

ES-Magazin: Gibt es vielleicht ein Fach, das Sie gern unterrichtet hätten, aber nicht studiert haben? 

Herr Baumgart: Nein. Ich darf doch kurz mit Nein antworten? 

ES-Magazin: Ja, klar. Was gefällt Ihnen an der Eichenschule und warum haben Sie gerade hier angefangen? 

Herr Baumgart: Dass ich hier angefangen habe, resultiert in den sehr begrenzten Lehrerstellen im Jahr 1990. Da gab es in ganz Niedersachsen anderthalb Seiten Stellen. Wir hatten vier Bezirksregierungen und jede Bezirksregierung hatte ungefähr drei oder vier Stellen ausgeschrieben. Dabei waren dann so Kombinationen wie Chemie/Religion oder so ähnlich. Also nicht die „normalen“ Kombinationen. Ich hatte schon eine Stelle beim Westermann Verlag (ein Schulbuchverlag, Anm. der Redaktion) in Braunschweig. Trotzdem habe ich es weiterhin versucht, weil ich Lehrer werden und nicht bei Westermann arbeiten wollte. Deshalb habe ich eben die Privatschulen angeschrieben und habe von Herrn Dr. Müller-Scheeßel, dem damaligen Schulleiter, für die Eichenschule eine Zusage bekommen. Das war dann Glück. 

Ich hatte auch noch eine zweite Zusage. Doch dann bin ich hierher gekommen und die Tatsache, dass ich geblieben bin, sagt eigentlich alles. Mir gefällt es hier sehr gut. Es gibt ein sehr gutes Arbeiten mit den Kollegen und auch eine nette Schülerschaft. Und das sage ich jetzt nicht, weil ihr hier seid. Mit unseren Schülern kannst du auf Klassenfahrt fahren, da fällst du nicht groß auf. Ich habe so viel gemacht mit Schüler/innen. Ich war mit einer Gruppe im Winter zum Skilaufen und wenn du im Winter zum Skilaufen fährst und du hast 15 Schüler dabei, dann musst du irgendwo reingehen, weil es kalt ist. Wir hatten fünf Grad Minus. Mit den Schülern konntest du bequem in ein Lokal gehen, ohne dass alle anderen Gäste aufgestanden sind, weil es zu laut war.

ES-Magazin: Gibt es für Sie einen besonderen Eichenschul-Moment, der Ihnen in Erinnerung geblieben ist?

Herr Baumgart: Einen besonderen Moment? Bestimmt gibt es den! Was ist mir besonders in Erinnerung geblieben? Viele tolle Klassenfahrten. Und insbesondere meine letzte Studienfahrt nach Norwegen mit zehn Schüler/innen. Die ist mir besonders in Erinnerung geblieben, weil die Schüler so toll waren. 

Es gibt auch Klassen, die man als Klassenlehrer in besonderer Erinnerung behält. Meine Klassen waren eigentlich alle gut. Ich kann mich an keine Klasse erinnern, bei der ich froh gewesen wäre, dass ich sie abgebe. Es sind auch schöne Momente, jetzt so zum Schluss meiner Laufbahn, wenn ich zum Beispiel hier in Scheeßel beim Sport angesprochen werde: „Herr Baumgart, Sie gehen zum Sommer in den Ruhestand?“ „Ja“, sage ich. „Das ist aber schade, meine Tochter bedauert das so sehr.“ Da habe ich erst mal gefragt, wie die Dame heißt, weil ich sie nicht kannte. Und dann haben wir uns unterhalten. Oder es klingelt bei mir an der Tür und ein Schüler, der jetzt einen Lehrauftrag in Oxford hat, kommt vorbei. Das war einer der drei Schüler, die ich ihre ganze Schulzeit am Gymnasium unterrichtet habe. Solche Schüler gibt es. Und alle drei haben bei mir ein glänzendes Abi gemacht. Und einer davon hat geklingelt und von seiner knappen Zeit, die er in Deutschland verbringt, haben wir einen Abend mit einer Flasche Wein – meine Frau war auch dabei – verbracht und uns sehr nett unterhalten. Das sind Momente, an die man gerne zurückdenkt. 

ES-Magazin: Das ist schön. Welche Pläne haben Sie denn für Ihren Ruhestand? 

Herr Baumgart: Ich habe mir gedacht, dass die Frage kommt. Das kann ich noch gar nicht so genau sagen. 

A: Reisen. Gesund zu bleiben, kann ich ja nicht nennen, das ist natürlich die Voraussetzung. Aber reisen! An der Sache ist jedoch ein Haken. Meine Frau ist einige Jahre jünger als ich und muss noch arbeiten, deswegen ist das Reisen noch ein bisschen eingeschränkt, aber wir kriegen das gut hin. Ich muss nicht unbedingt ein Vierteljahr wegfahren. Aber wir fahren im Sommer immer vier Wochen in den Urlaub, auch jetzt schon, und das werden wir weiterhin machen. Dann werde ich im Sommer erstmal abschalten, es ruhig angehen lassen und mir das Weitere überlegen. 

B: Ich freue mich, wenn ich ein Buch nehmen und auch mal lesen kann. Dazu komme ich jetzt viel zu wenig mit den vielen Korrekturen und jedes Jahr im Abi eingesetzt zu sein. Im Ruhestand hat man für solche Dinge Zeit. 

C: Darf ich auch nennen, das Arbeitszimmer aufzuräumen? Das ist etwas, was ich nicht sofort und auf einmal mache, aber vielleicht an Regentagen im nächsten Schuljahr, das keines mehr für mich sein wird. Dann wird das Arbeitszimmer anders aussehen und ich werde dann aussortieren. 

ES-Magazin: Welche sind denn Ihre Lieblingsfreizeitaktivitäten, abgesehen vom Wandern?

Herr Baumgart: Warum abgesehen vom Wandern? 

ES-Magazin: Dass Sie gern wandern, wissen wir natürlich schon.

Herr Baumgart: Was ich viel zu wenig machen kann, ist Skilanglauf. Ich werde mindestens  zweimal nach Norwegen fahren. Und endlich auch mal zu einer Jahreszeit im Februar, wenn der Winter am schönsten ist und nicht wie jetzt an Ostern. Und Weihnachten, also im Februar und Weihnachten. Außerdem mache ich auch sehr gerne Radtouren. Am liebsten noch ein bisschen länger und nicht nur hier in der Umgebung. Ich gehe regelmäßig zum Sport. Da treffe ich auch viele Schüler. Ich gehe in die Sauna, das heißt einmal pro Woche im Sommer und Winter und natürlich nach draußen ins Becken. Das sind die wichtigsten Freizeitaktivitäten. Wandern nicht unbedingt hier., obwohl ich das auch mache. Es gibt schönere Gegenden zum Wandern als Scheeßel und Umgebung oder den Landkreis. 

ES-Magazin: Dann würden wir gerne etwas über Ihr Lieblingsessen, Ihren Lieblingsfilm und Ihre Lieblingsmusik wissen.  

Herr Baumgart: Mein Lieblingsessen. Ich esse alles. Du kannst mir vorsetzen, was du willst, ich esse das. Es gibt Gerichte wie z.B. weiße Bohnensuppe, bei der hätte ich mit einem nicht unbedingt prall gefüllten Teller genug. Aber ich esse sie. Und ich esse gerne Fisch, wenn es nicht gerade Karpfen ist, der hat so viel Gräten. Und ich habe festgestellt, dass ich zunehmend weniger Fleisch esse. Ich esse noch Fleisch, aber nicht mehr so viel wie früher. Heute reicht es mir völlig aus, einmal in der Woche Fleisch zu essen. Spaghetti Marinara esse ich ebenfalls sehr gerne. Und ich gehe natürlich auch gerne zum Buffet mit Fisch, wenn ich in Skandinavien bin. Da greife ich mehr zum Fisch als zum Fleisch. 

ES-Magazin: Und Ihr Lieblingsfilm und Ihre liebste Musik?

Herr Baumgart: Lieblingsfilm. Ich schaue sehr gerne Krimis, auch alte Krimis aus den 70er und 80er Jahren. Nicht nur, weil man ganz viel über die Zeit erfährt, sondern auch, weil die anders gedreht sind und nicht unbedingt das Auto sofort in die Luft fliegt. Ich sehe auch sehr gerne die ersten Folgen von ,,Ein Fall für zwei“, weil das noch Krimis sind, in denen nicht unbedingt jemand ermordet wird, sondern die sind noch mit ein bisschen Pfiff gedreht. Außerdem schaue ich sehr gerne Reisedokumentationen oder Ähnliches an.

An Musik höre ich sehr, sehr gerne klassische Musik. Ich setze mich auf meinen Sessel und höre einfach die CD vom Eröffnungskonzert der Wiener Philharmoniker 2019. Ich bin ein großer Freund von Edvard Grieg, einem norwegischen Komponisten, und gehe auch gerne mal in die Operette – nicht so sehr in Oper, aber in Operette. Andere Musik höre ich auch, aber mehr so nebenbei. Alte Schlager haben auch etwas. Das ist ja auch Geschmackssache. 

ES-Magazin: Gibt es eine berühmte Person, der Sie folgen und welche wäre das? Und welche würden Sie gerne einmal treffen? 

Herr Baumgart: Ich schätze sehr einige Politiker, die leider schon nicht mehr leben. Insofern ist das Treffen schwierig. Ich höre gerne politisches Kabarett und vielleicht sagt euch der Name Dieter Hildebrandt etwas? Kurz vor seinem Tod – Hildebrandt wurde 84, glaube ich – habe ich ihn in Lüneburg live erlebt. Da hat er erzählt, früher, als er am Herd gestanden und gekocht habe, habe er gehört, dass im Wohnzimmer am Fernsehen eine Debatte laufe und er sei vom Herd weggegangen und habe die Debatte geguckt. Wenn er heute im Wohnzimmer sitze und die Debatte beginne, gehe er an den Herd und koche. Das sagt schon alles. Ich hätte Helmut Schmidt (Bundeskanzler 1974-1982, Anm. der Redaktion) sehr gerne mal getroffen. Der ist sehr alt geworden (1918-2015, Anm. der Redaktion). 

Schauspieler gibt es auch gute, aber die sind alle schon älter oder leben auch nicht mehr. Ich muss niemanden von ,,guten Zeiten, schlechte Zeiten“ treffen, wobei ich die Sendung auch gar nicht kenne. Ich weiß nur, dass sie läuft. 

Ich interessiere mich auch sehr für das Thema Klima. Ich lese viel über Klimawandel, aus persönlichem Interesse, und ich würde mich zum Beispiel gerne mal unterhalten mit Mojib Latif. Habt ihr den Namen schon gehört? Er ist ein auch schon knapp über 70-jähriger Forscher. Er hat aus Pakistan stammende Eltern und arbeitet am Helmholtz-Institut in Kiel. Mit so jemandem würde ich mich sehr gerne mal unterhalten. Da sind bestimmt noch mehr, die mir jetzt nicht einfallen.

ES-Magazin: Welche fünf Gegenstände würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen? 

Herr Baumgart: Auf der ich genügend zu essen habe natürlich. Damit sind private Gegenstände gemeint, die ich auf der einsamen Insel benutzen kann? Nicht solche, die ich brauche, um mich zu verpflegen? Eigentlich möchte ich gar nicht auf eine einsame Insel. Das wäre mir zu einsam. Was muss man da mitnehmen? Auf jeden Fall etwas zu lesen: Bücher. Da müsste ich einige mitnehmen. Auch ein bisschen Musik würde ich mitnehmen.

ES-Magazin: Würden Sie Ihr Fahrrad mitnehmen? 

Herr Baumgart: Wenn die Insel groß genug ist und wenn ich da Fahrrad fahren kann. Auf einsamen Inseln kann man ja nicht unbedingt Fahrrad fahren. Die drei Dinge reichen oder? 

ES-Magazin: Ja, das reicht. Erinnern Sie sich vielleicht an ein Highlight, als Sie Betriebsrat-Vorsitzender an der Eichenschule waren?

Herr Baumgart: Ja. 1994, als junger Kollege, gerade vier Jahre an der Schule, wurde ich Betriebsratsvorsitzender und das aus einem ganz einfachen Grund. Ich entdeckte oder es war mir aufgefallen, weil ich etwas zur Absicherung im Alter abschließen wollte. Herr Springhorn, so hieß damals der Geschäftsführer, saß bei mir auf dem Sofa und sagte, dass wir keine zusätzliche Altersversorgung an der Schule haben. Es gab nur so eine ganz kleine Lebensversicherung. Davon hättest du dir dann als Rentner ein Buch im Monat kaufen können. Da war ich wie vor den Kopf gestoßen. Ich habe das im Kollegium erzählt und es waren Lehrer hier, die wollten das nicht glauben. Deshalb sind wir nach Hannover zum Kultusministerium gefahren, denn die Schule konnte eine Lebensversicherung für die Mitarbeiter abschließen und die Beiträge bezahlte das Land Niedersachsen. Nur hier war niemand, der das Geld abgerufen hätte. Es hätte die Schule zunächst mal nichts gekostet. Wenn man sowas entdeckt und sich dafür einsetzt, wird man dann Betriebsratsvorsitzender. Ich sollte dann unbedingt für den Betriebsrat kandidieren und habe es gemacht. Und dann haben mich alle dazu gedrängt, also diejenigen vier, die auch in den Betriebsrat gewählt worden waren, dass ich den Vorsitz übernehmen sollte. Das war mir gar nicht recht, weil ich noch ganz jung war. Ich war noch nie im Betriebsrat gewesen und dann gleich Vorsitzender. Aber ich habe es dann gemacht. Dann haben wir – das hat sich ein bisschen hingezogen – diese Lebensversicherung abgeschlossen. Das ist, ohne mich loben zu wollen, der größte Verdienst, den ich als Betriebsratsvorsitzender erricht habe. Davon profitieren die Kollegen heute noch.

Am Anfang haben nicht alle Kollegen profitiert. Wer damals 1994 schon 54 war, der hat so viel davon gehabt, weil er weniger Beiträge einzahlen konnte. Doch in der heutigen Zeit ist das Stichwort die Rentenproblematik. Es ist das ganz wichtig, dass es diese Lebensversicherung gibt. Und das war der größte Erfolg. 

Man muss oft Rückschläge einstecken, wenn man Betriebsratsmitglied ist, gar nicht so sehr nur als Vorsitzender. Denn was man so möchte, lehnt der Arbeitgeber zunächst ab. Ihr könnt euch das vorstellen, das ist irgendwie frustrierend. Aber ich habe in meiner Zeit im Betriebsrat eines gelernt und das kann ich euch mit auf den Weg geben. Es lohnt sich immer, für eine Sache zu kämpfen und zu versuchen, diese durchzusetzen. Auch wenn viele abgelehnt werden, manchmal gibt es welche, da sagt man hinterher, man hätte nicht gedacht, dass sie Erfolg haben. Deswegen ist es gut, wenn man sich auch für Dinge, die zunächst vielleicht wenig erfolgversprechend aussehen, einsetzt. Das ist ein Fazit aus meiner über 10-jährigen Zeit im Betriebsrat.

ES-Magazin: Schön, dass Sie uns etwas mitgeben. Unsere nächste Frage bezieht auch auf einen typischen Spruch von Ihnen. Wir kennen alle den Spruch und viele Leser wahrscheinlich auch. Es geht um „Ach so heißt, ich habe geschlafen“, den Sie im Unterricht sagen. Wir würden gerne wissen, wie der entstanden ist.

Herr Baumgart: Irgendwann hat jemand im Unterricht wieder „ach so“ gesagt. Da habe ich gesagt, das bedeutet jetzt, er habe geschlafen. So ist das mal entstanden. Und so ist es dann geblieben. Ich benutze ihn nicht zu oft oder? 

ES-Magazin: Nein. 

Herr Baumgart: Aber manchmal schon, besonders in Klassen, die etwas jünger sind. Im Leistungskurs habe ich sowas nie gemacht. Aber bei Jüngeren ist das gut, wenn die dann ach so sagen. 

ES-Magazin: Was hat Ihnen am meisten Freude gemacht beim Unterrichten von Matheleistungskursen?

Herr Baumgart: In Matheleistungskursen ist es so, dass da Schüler/innen sitzen, die Mathe wirklich wollen. Das ist in anderen Fächern nicht so, denn es gibt Schüler/innen, die wissen gar nicht so genau, was sie wählen sollen. Und dann wählen die dies oder das. Aber es wird niemand, der nicht weiß, welchen Kurs er wählen soll, sagen, ach, mache ich mal Mathe oder mal eben Chemie oder Physik. Diese Fächer sind davon befreit. In diesen Kursen sitzen Schüler/innen, die wollen das Fach. Manchmal sitzen auch welche im LK, die aus bestimmten Gründen diesen Leistungskurs gewählt haben. Zum Beispiel hatten sie in der Mittelstufe nicht immer so gute Noten. In Klasse 11 hatten sie dann auf einmal 11 Punkte und haben den Leistungskurs gewählt. Das ist oft nicht gut gegangen. 

Man kann im Matheleistungskurs auch schöne Dinge erleben, dass man eine Aufgabe hat und es kommen ganz andere Lösungswege zustande. Oder ich sehe bestimmte Dinge auch nicht sofort. Die Aufgaben sind eben sehr komplex. Und man freut sich hinterher auch, wenn die Schüler/innen nicht unbedingt überragend abschneiden, sondern so abschneiden, wie sie vorher auch waren. Und in Matheleistungskursen ist mir das immer gelungen. Ich wüsste jetzt keine Ausnahme.

ES-Magazin: Wenn Sie eine letzte Stunde unterrichten dürften, welches Thema würden Sie wählen? 

Herr Baumgart: Ein mathematisches, zum Beispiel ein Seil um die Erde spannen. Ist doch eine tolle Aufgabe. Das als letzte Stunde wäre gut. Es gibt nur wenige solcher tollen Stunden mit so tollen Themen. Aber es wäre eine Aufgabe, die man nicht nachvollziehen kann, aber weiß, dass sie richtig ist. Und das ist etwas Tolles. 

Und dann gibt es natürlich auch viele wunderschöne Aufgaben in der Oberstufe. In der Mittelstufe gibt es die weniger. Das ist klar. Aber das Seil wäre für mich die faszinierendste Aufgabe. 

ES-Magazin: Haben Sie auch ein Lieblingsbrettspiel? 

Herr Baumgart: Ja, sehr viele. Es gibt einen Spieleladen in St. Peter-Ording. Wenn man zum Strand geht, geht man vor dem Durchgang links, etwa zehn Häuser, da ist ein Laden mit Spielen, in dem man die Spiele ausprobieren kann. Der Mann und die Frau, denen der Laden gehört, spielen sogar mit einem. Da kaufen wir immer Spiele, wenn wir in St. Peter-Ording sind. Meistens so, dass sie nicht zu groß sind, dann können wir sie sogar auf eine Reise mitnehmen. Dabei sind auch Brettspiele, die gut sind, aber frag mich nicht, wie die heißen. Wir spielen auch gerne im Urlaub, aber am liebsten Brettspiele.

ES-Magazin: Was sind denn Ihre Lieblingssüßigkeiten?

Herr Baumgart: Ich versuche immer weniger Süßigkeiten zu essen, aber Kvikk Lunsj aus Norwegen schmeckt sehr gut. Das sind Waffeln mit Schokolade überzogen, die haben kaum Kalorien.

ES-Magazin: Was werden Sie denn am Lehrerberuf vermissen? 

Herr Baumgart: Die Schüler. Der Moment, an dem ich gehe, wird mir unheimlich schwerfallen. Wenn ich dann zu Hause bin, ist es okay. Aber es wird mir definitiv schwerfallen, da bin ich mir absolut sicher. Das ist für mich hochemotional. Ich möchte eigentlich leise gehen. Ich möchte hier unterrichten und am letzten Tag gehen. Ich mag diese Verabschiedung nicht. Das ist aber nicht nur hier. Das ist wahrscheinlich in allen Betrieben. Nicht jeder ist dafür bestimmt. Es gibt nirgendwo so viele Lügen wie auf Verabschiedungen, Beerdigungen und Jubiläen. Es gibt Leute, die haben das verdient. Aber es gibt auch Momente, da soll sich keiner irgendwelche Illusionen machen. Wenn du hier raus bist, bist du vergessen. Ich habe auch keine Weihnachtskonzerte oder Ähnliches organisiert. Ich habe nichts davon gemacht, sondern ich habe das Wichtigste, was es hier an der Schule gibt – hoffe ich – immer gut gemacht: nämlich Unterricht. Ich glaube, das andere ist wichtig und ich finde es auch gut, dass die Schüler/innen so viele Möglichkeiten haben, etwas über den Unterricht hinaus zu machen. Aber wenn das Schulische nicht laufen würde, dann wäre auch das ganze Drumherum nichts. Was hilft dir ein ganz tolles Balkongitter, wenn der Balkon einstürzt? Richtig. Nichts. Das Schulische ist wirklich das Wichtigste und das habe ich immer versucht gut zu machen, und ich hoffe, ihr könnt das bestätigen. Ich war auf meinem Unterricht immer gut vorbereitet und habe nach Rückmeldung von den Schüler/innen alles so erklärt, dass, wenn man wollte, es gut verstehen konnte.

Ich gebe zu, meine Arbeiten waren nicht die leichtesten. Dazu stehe ich. Wir sind ja in einem Gymnasium. Ihr werdet das in den drei Jahren Oberstufe merken. Ich frage euch, weil ich ja bestimmt mal wieder herkomme. 

Kurz: Die Schüler werde ich ganz bestimmt vermissen, noch vor den Kollegen. Die Kollegen und die netten Gespräche in den Pausen werde ich natürlich auch vermissen, aber unbedingt an erster Stelle die Schüler/innen. 

ES-Magazin: Was haben sie als Lehrer Unerwartetes dazugelernt?

Herr Baumgart: Ich habe dazugelernt, ruhiger zu sein. Am Anfang – ich glaube, das geht vielen so – da regt man sich noch über viele Dinge auf. Und je älter man wird, desto gelassener wird man, weil man es nicht ändern kann. Ich habe auch meine Art zu unterrichten eigentlich immer beibehalten. Ich versuche immer noch anschaulich zu erklären. 

ES-Magazin: Was haben Sie denn als Lehrer am Unterricht nicht gemocht? 

Herr Baumgart: Man kann im Unterricht mal über dieses und jenes erzählen. Das kann auch mal eine Stunde dauern. Aber dann muss man irgendwann im Stoff weitermachen. Es gibt aber auch Schüler/innen, die (ich will nicht sagen permanent, das wäre falsch) Teile der Stunde unaufmerksam sind, ständig quatschen und Dinge nicht wissen. Das ist etwas, das ich nicht mag. Manchmal schimpft man auch über die Korrekturen. Zum Beispiel habe habe ich die letzten 20 Jahre jedes Jahr Abi gehabt, also als Referent (Erstgutachter, Anm. der Red.). Nicht als Co-Referent, als Zweiter, der das durchguckt, sondern ich selbst hatte Abi. Und wenn dann, wie in diesem Jahr, die Zeiten so knapp sind und man nur knapp drei Wochen Zeit hat, um das Abi zu korrigieren, obwohl eine Abi-Arbeit in der Korrektur fünf Stunden dauert. Und nebenbei muss man natürlich auch noch unterrichten.  Es sind beim Lehrer vor allen Dingen immer diese Stoßzeiten, die liegen zwischen Herbst und den Weihnachtsferien. Je näher an Weihnachten dran, desto mehr. Also Adventszeit ade. 

Und sehr lang ist die Zeit von Weihnachten bis Ostern und dann kommt nach Ostern das Abi. Diese Zeiten sind nicht schön, weil man nicht weiß, was man zuerst und zuletzt machen soll und alles nur nach und nach abarbeiten kann. 

Das heißt, die Korrekturen an sich gehören zu den weniger schönen Dingen, aber diese Stoßzeiten, ebenfalls, weil man dann so viel auf einmal zu tun hat. 

ES-Magazin: Dann wären wir schon am Ende des Interviews angekommen. Wir wollten Sie fragen, ob Sie uns oder den Kollegen etwas mitgeben möchten. Sie haben vorhin ja schon gesagt, dass man auch den kleineren Dingen oder Ideen eine Chance geben soll. Wollen Sie noch etwas hinzufügen?

Herr Baumgart: Lernen ist wie schwimmen gegen den Strom. Wenn man damit aufhört, treibt man zurück. Das gebe ich jetzt euch mit. Solange ihr lernt (und das wird ja noch eine Zeit dauern), also auch über die Schule hinaus, versucht am Ball zu bleiben und gegen den Strom weiterhin zu schwimmen und es wird sich hinterher auszahlen. Es zahlt sich eigentlich immer aus. 

Ihr geht ja in rosige Zeiten, weil Arbeitskräfte gesucht werden und zwar überall. Das eröffnet euch Möglichkeiten. Ich habe für das Lehramt studiert, als die Zeiten auf dem Arbeitsmarkt nicht rosig, sondern dunkel waren. Doch trotzdem habe ich das studiert, weil ich gerne Lehrer werden wollte. Und es hat ja dann auch geklappt. Und ihr könnt etwas daran machen, wenn ihr auch in der Oberstufe Energie reinsteckt und ein ordentliches Abi macht. Nach dem Abi fangt ihr leider wieder bei Null an. Das Abi braucht ihr, um eine Lehrstelle oder einen Studienplatz zu erhalten. Und dann wird alles auf Reset gesetzt. Dann geht es von vorne los. Viele kriegen auch dann erst die Kurve, wie man so schön sagt.

ES-Magazin: Vielen herzlichen Dank, dass Sie sich die Zeit für das Interview genommen haben!

Das Interview führten Ayla, Sophia, Milla, Thordis, Jan-Luca und Felix aus dem zehnten Jahrgang.

Das Beitragsbild wurde mit der Canvas-KI erstellt.

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