Wenn Tiere dem Tod von der Schippe springen

-oder auch warum Lebenshöfe für Tiere eine zweite Chance sind

Früher gab es in alten Inuit-Kulturen den Brauch, alte Menschen in der Einsamkeit auszusetzen oder sie gezielt zu töten, um Hungersnöten entgegenzuwirken. Glücklicherweise wird dies heute nirgends mehr praktiziert. Alte Menschen dürfen in ihren Häusern oder in Heimen sterben. Auch das ist ein gesellschaftliches Thema und ein Problem. Alte Tiere dagegen dürfen nur selten in ihrem gewohnten Umfeld oder in einem neuen Zuhause sterben. Ihr Leben endet häufig, obwohl es noch nicht zu Ende ist, mit einer tödlichen Injektion vom tierärztlichen Dienst oder wird angst- und qualvoll direkt im Schlachthaus beendet – so passiert es jeden Tag auch hier in Deutschland.

Tiere retten und ihnen ein „Für-immer-Zuhause“ schenken, das ist das Ziel eines Lebenshofes. Wir haben den Tierschutz-Paragraphen 90a BGB, der besagt, dass wir Tiere als fühlende Lebewesen behandeln müssen. Nach deutschem Recht sind Tiere also keine Sache. Tiere besitzen bei allen grundlegenden Emotionen wie Freude und Schmerz ähnliche Empfindungen wie der Mensch. Warum dürfen Menschen dann ihr altes Tier vorzeitig dem Schlachter übergeben oder einschläfern lassen, obwohl es oft noch eine gute Zeit bei ihren Besitzern vor sich hätte? Der Mensch handelt hier innerhalb einer fragwürdigen moralischen Grauzone, in der sich scheinbar sogar das Leid des eigenen Tieres verlieren darf? Lebenshöfe (auch Gnadenhöfe genannt) sind Rückzugsorte für Tiere – nicht nur auf Zeit, sondern auf Lebenszeit. Dort dürfen sie sich sicher und geborgen fühlen, bis sie sich irgendwann in Begleitung auf natürlichste Weise wie möglich von dieser Welt verabschieden. Auf Lebenshöfen werden in der Regel keine Tiere vermittelt und schon gar nicht gezüchtet. Schon deshalb nicht, weil es keinen wirtschaftlichen Grund mehr geben soll, der sich über das alleinige Wohl des Tieres stellt.

Lebenshöfe beherbergen normalerweise eine Mischung aus Nutz- und Haustieren, die aus privaten Bereichen und aus für Tieren besonders gefährlichen Einrichtungen wie Versuchslaboren oder auch aus der Tierwirtschaft kommen können. Ganz in unserer Nähe gibt es in Königsmoor bei Tostedt auch so einen Rückzugsort für Tiere, den Schutzhof „Seelengefährten“. Dort kümmert sich die Tierschützerin Line Firsching mit ihrem Team um jedes tierische Familienmitglied aufopfernd mit Leib und Seele. Auch auf Instagram kann man ihre Arbeit verfolgen.

Wer auf lebendige Weise lernen möchte zu verstehen, was diese besondere, intensive und liebevolle Tierschutzarbeit auf einem Lebenshof ausmacht, sollte sich dort zum Beispiel die Geschichte von „Lou“ ansehen.

Ziegenbock Lou musste am Ende erlöst werden. Aber er war nicht allein und wurde liebevoll bekümmert, während er seine Hufe in die neue Welt setzte.

Auch Lebenshöfe können und dürfen nicht über die Orte und den Terror gegenüber Tieren hinwegtäuschen. Aber es gibt auch kleinere Hoffnungsschimmer. Nämlich eine Entwicklung, dass die landwirtschaftliche Tierhaltung rückläufiger wird. Wenn Tierliebe den Bauern als Grund allein nicht ausreicht, sind es die zu geringen Verdienste, die damit erwirtschaftet werden. Auch die Entwicklung hin zu einer noch stärker werdenden vegetarischen und veganen Ernährung kommt Tieren zu Gute. Wichtig bleibt, dass die Menschen weiter und nachhaltiger für das Leid der Tiere sensibilisiert werden und für sie einstehen: Konfrontiert mit der Wahrheit, durch Emotionen und Fakten.

Meine Bitte zum Schluss: Lebenshöfe wie „Seelengefährten“ sind meist gemeinnützige Vereine und unbedingt auf Hilfe vor Ort und/oder auf Spenden angewiesen

Die Reportage wurde von unserer Reporterin Frieda aus dem 9. Jahrgang verfasst. Die enthaltenen Bilder wurden uns vom Lebenshof „Seelengefährten“ zur Verfügung gestellt.
Bildquelle des Titelbilds: https://pferdeschutzhof-seelengefaehrten.de/wp-content/uploads/2021/09/line_0720-11-scaled.jpg Bildquelle 2: https://pferdeschutzhof-seelengefaehrten.de/wpcontent/uploads/2026/01/595526617_1225282843031848_2302300929638855891_n.jpg

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