Die Illusion der Vielfalt

In den letzten Jahren betont die Reality-TV-Sendung „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) immer wieder, wie wichtig ihr das Thema Diversity sei. „Diversity“ ist ein englisches Wort und bedeutet „Vielfalt“. Damit ist gemeint, dass Menschen mit unterschiedlichen Eigenschaften, wie zum Beispiel verschiedene Hautfarben, Körpertypen, Geschlechter oder Altersgruppen, vertreten sein sollen. Doch wie viel Vielfalt steckt wirklich in der Sendung? Auf den ersten Blick wirkt GNTM vielfältiger als früher: Es gibt Plus-Size-Models (also Models, die größer sind als die klassische Modelmaßgröße), Models mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund und sogar Transgender-Models. Das klingt erstmal positiv. Aber Kritiker*innen werfen der Sendung vor, dass diese Vielfalt oft nur oberflächlich sei und als „Diversity-Washing“ bezeichnet werden könnte. Das bedeutet, dass die Show so tut, als wäre sie besonders vielfältig, ohne wirklich etwas zu verändern – ähnlich wie „Greenwashing“, wenn Unternehmen sich umweltfreundlicher darstellen als sie in Wirklichkeit sind.

Ein großes Problem dabei ist, dass GNTM die Unterschiede der Kandidatinnen oft in den Vordergrund stellt und daraus „Geschichten“ macht. Eine Kandidatin wird zum Beispiel nur als „Plus-Size-Model“ dargestellt, eine andere ist „die Transfrau“ oder „die Exotin“. Dadurch werden die Teilnehmerinnen auf ein Merkmal reduziert, anstatt als ganze Person wahrgenommen zu werden. Noch deutlicher wird diese Kritik, wenn man darauf achtet, wer in der Show wirklich Erfolg hat. Selbst die sogenannten Plus-Size-Models entsprechen oft noch bestimmten Schönheitsidealen: Sie haben häufig eine Sanduhrfigur und ein schmales Gesicht. Auch die Geschichten der Teilnehmer*innen scheinen oft „passend gemacht“ zu werden, sodass sie in bestimmte Rollen gedrängt werden – wie die „Zicke“, die „Stille“ oder die „Dramakönigin“.

Darüber hinaus wird in der Sendung oft ein Bild vermittelt, das trotz aller Vielfalt bestimmte Normen festlegt. Ein Designer gab zum Beispiel den Tipp: „Lauf nicht wie ein Mädchen, sondern wie ein Junge!“ Das zeigt, dass auch in einer vermeintlich diversen Show bestimmte Verhaltensweisen und Körperhaltungen immer noch bewertet und in „richtig“ und „falsch“ eingeteilt werden.

Viele ehemalige Teilnehmerinnen haben inzwischen über ihre Erfahrungen gesprochen. Sie berichten von enormem Druck, bestimmten Erwartungen entsprechen zu müssen, und von der Manipulation durch die Produktion, um bestimmte Konflikte zu erzeugen. Einige werfen der Sendung sogar vor, absichtlich Situationen zu schaffen, die die Kandidatinnen bloßstellen – zum Beispiel, indem Schuhe manipuliert werden, um Stürze auf dem Laufsteg zu provozieren.

Heidi Klum, die Moderatorin der Sendung, weist diese Vorwürfe zurück. Sie betont, dass die Kandidatinnen alle Entscheidungen selbst treffen würden und dass GNTM nur das zeigt, was wirklich passiert. Doch Kritikerinnen sagen, dass durch den gezielten Schnitt der Szenen und die Auswahl der gezeigten Momente ein bestimmtes Bild erzeugt wird, das oft nicht der Realität entspricht. 

Am Ende bleibt die Frage: Ist GNTM wirklich so divers, wie es behauptet? Oder wird das Thema Vielfalt nur benutzt, um sich ein modernes Image zu geben, während die alten Muster weiterbestehen? Echte Diversität bedeutet, Menschen in ihrer gesamten Komplexität zu zeigen – nicht nur ihre Unterschiede hervorzuheben, sondern auch ihre Gemeinsamkeiten zu sehen. Und genau daran scheint es bei GNTM noch immer zu fehlen.

Ein Kommentar von unserer Redakteurin Ayla, Jg. 10

Das Bild wurde generiert mit der Canva-KI

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