Hunde aus dem Ausland in deutsche Tierheime holen: Problem oder Rettung? 

Jeder, der schon mal in einem Tierheim war, weiß es. Die Tierheime sind voll und jeder Hund wartet auf ein neues, liebevolles Zuhause. Doch seit den letzten Jahren ist es fast schon zum Trend geworden, Hunde aus dem Ausland zu adoptieren. Meistens handelt es sich bei diesen Hunden um Straßenhunde, aber auch um Hunde, die aus Tötungsstationen gerettet wurden. Bei Straßenhunden kommt es allerdings vermehrt zu  Komplikationen, weshalb die Hunde nach kurzer Zeit wieder im deutschen Tierheim landen und dann zu „Langzeitinsassen“ werden. Denn bei vielen Hunden, die aus dem Ausland kommen, handelt es sich um Angsthunde. Aber nicht alle Hunde, die von der Straße kommen, haben ein schlechtes Leben. Natürlich sind es nicht die besten Bedingungen unter denen sie leben, jedoch sind die Hunde so aufgewachsen und kennen keine andere Umgangsform. Wenn man diese dann einfängt, um sie vermeintlich zu retten, kommen sie allerdings nicht direkt in ein neues Zuhause. Sie werden zusammen mit ihren Brüdern, Schwestern und weiteren Hunden in kleinen Zwingern untergebracht und müssen so 24-48 Stunden in einem lauten, stickigem Lieferwagen ausharren. Wenn sie dann in Deutschland angekommen sind sind sie meistens schon sehr überreizt. Manche von ihnen werden vielleicht schon nach wenigen Tagen oder Wochen adoptiert, aber meistens geht Aussehen vor Charakter. Die Hunde, die aber nicht direkt adoptiert werden, befinden sich in einer komplett neuen Situation und sind logischerweise überfordert und reizüberflutet. Einmal von den Menschen, die auf einmal so nah sind und ihnen helfen wollen, anstatt sie beiseite zu schubsen und zweitens von den ganzen anderen Hunden mit denen sie nun, Tag ein Tag aus, zusammen in einem kalten Zwinger draußen auf Essen und Trinken warten müssen . Die meisten Hunde zeigen daraufhin ein starkes Abwehrverhalten wie z. B. durch beißen oder knurren, auch das Verstecken unter Möbelstücken ist dabei keine Seltenheit. Ebenfalls viele neuen Besitzer gehen davon aus, dass wenn sie einen Hund aus dem Tierheim adoptieren, dieser bereits alle Kommandos beherrscht und stubenrein ist, aber wie kann er es sein, wenn es davor niemanden gab der ihm das beibringt. Ebenfalls ein großer Fehlglaube der Besitzer ist es meistens zu denken die Tierheime würden sich um die Erziehung der Hunde kümmern und natürlich gibt es Tierheime die bemüht sind ihren Tieren die bestmöglichen Chancen auf ein neues Zuhause zu gewährleisten, allerdings hat die Anzahl an neuen Tieren mit den letzten Jahren immer mehr zugenommen, die Welle an neuen Mitarbeitern und Ehrenamtlichen bleibt aber leider aus. Darüberhinaus gibt es in Tierheimen nicht nur Hunde sondern auch noch andere Tiere, wie Katzen, Kaninchen oder Kanarienvögel, die ebenfalls versorgt werden müssen. Die Tierheime sind in 80 Prozent der Fälle überlastet und können eigentlich keinen neuen Tiere mehr aufnehmen. 

 Tötungsstationen in Rumänien

Viele tun es dennoch, denn seit 2013 gibt es in Rumänien das sogenannte „Tötungsgesetz“, welches erlaubt Hunde von der Straße  einzufangen und in eine der rund 140 Tötungsstationen (keine genauen Angaben bekannt, da ständig neue dazu gebaut werden und andere wieder umfunktioniert werden) Rumäniens zu bringen, um die Überpopulation einzudämmen. Wenn diese nach 14 Tagen nicht abgeholt oder adoptiert werden, werden sie getötet. Viele Hunde sterben auch schon bei den brutalen Einfangsaktionen, oder aber durch die schlimmen Zustände innerhalb der Tötungsstationen.  Da es aber selbst innerhalb der Tötungsstationen zu viele Tiere gibt, sitzen die Hunde dort manchmal bis zu mehreren Monaten in einem überfüllten Zwinger und hoffen jeden Tag darauf nicht getötet sondern adoptiert zu werden.  In einem Bericht der Hunderettung Europa e.V. wird deutlich, wie schlimm die Lage wirklich ist. Eine der schockierendsten Informationen ist allerdings, dass die Tötungsstationen vom Staat mit Mitteln der EU finanziert werden. Im Bericht heißt es weiter, dass laut der PETA- Organisation  (People for the Ethical Treatment of Animals) allein zwischen den Jahren 2019 bis 2022 ca. 36 Millionen Euro für das Einfangen, sowie Töten der Hunde ausgegeben wurde. Eine Tötungsstation erhält staatliche Gelder für die Versorgung der Tiere aber auch für das Einschläfern der Tiere, im Falle einer Adoption sind die Kosten einer Kastration ebenfalls gedeckt. Doch für die meisten Tiere ist der Tod hier eher eine Gnade, so schlimm dies auch klingt. Denn die Hunde sitzen oft mit mehreren Artgenossen in kleinen, engen und verschmutzten Zwingern. Sie bekommen oft tagelang kein neues, frisches Trinkwasser, geschweige denn Futter und sind gezwungen in ihren Exkrementen zu liegen. Sie werden größtenteils sich selbst überlassen, die schwächsten Hunde sterben durch verhungern, verdursten oder infizieren sich mit tödlichen Krankheiten, die aufgrund der mangelnden Hygiene entstehen und sich schell verbreiten. Darüberhinaus werden Hunde totgebissen oder sterben etwa später durch die Bissverletzung. Nach Ablauf ihrer Frist (14 Tage), dürfen die Hunde getötet werden. Offiziell sollen die Hunde, die bis dahin noch Leben bzw. eigentlich nur noch am existieren sind, da man unter diesen Umständen nicht mehr von Leben sprechen kann,  eingeschläfert werden und ihrer Körper verbrannt werden. Doch stattdessen werden sie totgeschlagen oder lebendig verbrannt. Aber auch Spritzen, die Frostschutzmittel befüllt sind werden gut und gerne verwendet, denn das sparrt ja schließlich Geld. Für manche Hunde gibt es aber Hoffnung, denn Hilfs- Organisationen, wie die Hunderettung Europa e.V., Arche Noah Transilvania e.V. und viele weitere retten und befreien Hunde. Diese kommen dann nach Deutschland. Auch auf Social Media gibt es viele fleißige Menschen, die ebenfalls Möglichkeiten organisieren Hunde zu retten. Wenn eine Organisation Hunde aus einer Tötungsstation befreien konnte, werden sie in ein Tierheim oder zu einem Tierarzt gebracht, der mit der Organisation zusammenhängt. Eines der größten Tierheime weltweit bzw. das größte Tierheim weltweit befindet sich in Rumänien- die Smeura. Das in den 2000er Jahren in Deutschland gegründete (von der Tierschutzorganisation Tierhilfe Hoffnung- Hilfe für Tiere in Not e.V.) Tierheim, welches damals als Fuchspelzfarm diente, kann heute mehrere tausend Hunde gleichzeitig beherbergen (5.000- 6.000 und mehr) ,aber auch Katzen können aufgenommen werden. Die Hunde stammen meistens aus Tötungsstationen und werden von den Mitarbeitern täglich gefüttert, gepflegt und behandelt. Das Schlimme ist allerdings, dass wenn man nach den Tötungsstationen im Internet sucht Smeura auch mit aufgezählt wird, was allerdings ein großer Irrtum ist, viele Menschen dem jedoch glauben schenken und so die großartige Arbeit die geleistet wird übersehen wird. Wenn es dem Hund wieder besser geht, bleibt er in dem Tierheim Vorort oder wird direkt an ein Partnertierheim in Deutschland bzw. auch andere Länder wie z. B. Schweiz, Belgien, Luxemburg  und den Niederlanden vermittelt. Die Hunde die noch in einem Tierheim in beispielsweise Rumänien sind, bekommen ebenfalls eine Chance auf ein endgültiges/ liebevolles Zuhause da sie über die online Website der Organisationen oder Tierheime vorgestellt werden.

 Die Hunde, die adoptiert wurden, kommen in einen Transporter mit engen Kisten und reisen dann oft für mehrere Tage nach Deutschland. Dies ist allerdings auch nicht sehr optimal, da die Hunde in dieser Zeit nicht die Möglichkeit erhalten ihre Boxen zu verlassen ,sie bekommen nur wenig Nahrung und Wasser. Allerdings haben sie es nach dieser letzten Tortur endlich geschafft und werden von ihren neuen Besitzern herzlich begrüßt, die bereits 30 Minuten, bis zu einer Stunde auf sie gewartet haben. Auch hier wird versucht die Hunde nicht zu verunsichern oder zu verschrecken, indem nicht jede Person auf den Transporter zu stürmt und die Hunde bedrängt. Eine oder wenige Personen der vermittelten Organisation sind anwesend und lesen die Namen der Hunde vor, die neuen Besitzer stehen leise um den Transporter und warten bis ihr Hund aufgerufen wird. Wenn ihnen der Hund überreicht wird bekommen sie einen sogenannten EU- Heimtierausweis sowie eine TRACES- Bescheinigung. Der EU- Heimtierausweis ist ein, seit 2004 benötigtest Pflichtdokument, welches gebraucht wird, um innerhalb der EU aber auch anderen Drittländern ( Länder die nich Teil der EU sind) reisen zu können, außerdem gilt er als Identitätsnachweis und bestätigt eine notwendige Tollwutimpfung. Die TRACES- Bescheinigung ist ein digitales Dokument der EU, welches den Handel von Tieren,Futtermitteln,Lebensmitteln und Pflanzen bei Grenzübertritt erfasst sowie überwacht. Die Vermittlung von Straßenhunden ist positiv aber auch negativ, da die Hunde ein neues und besseres Leben erwarten können und von der Straße sowie den Tötungsstationen gerettet werden. Man fragt sich jetzt vielleicht, warum die Bevölkerung des jeweiligen Landes nichts dagegen unternimmt. Dies lässt sich damit begründen, dass man den Kindern von Klein auf beigebracht hat, dass Hunde Nutztiere seien, die draußen bei Wind und Wetter an der Kette gehalten werden können und wenn man keinen Verwendung mehr in ihnen sieht, werden sie entweder erschossen oder ausgesetzt. Dieser Glaube wird von Generation zu Generation immer weitergegeben, weshalb auch niemand ein Problem damit hat, denn es ist ja schließlich normal. Besonders tragisch ist es allerdings, wenn die Menschen wegziehen oder die Besitzer beispielsweise festgenommen werden, denn dann werden die Hunde einfach an ihren Ketten zurückgelassen, ohne Nahrung und Wasser. Wenn sie Glück haben werden sie entdeckt und können gerettet werden; allerdings gibt es auch eine hohe Dunkelziffer an Hunden denen man nicht mehr helfen kann und die allein an ihrer Kette sterben müssen. Darüberhinaus wird der Fakt, dass es Tötungsstationen gibt, gut und gerne auch einfach geleugnet.

Mit diesem Artikel möchte ich gerne verdeutlichen, wie Hunde in anderen Ländern leben müssen und das jeder einzelne von uns etwas dagegen unternehmen kann, beispielsweise durch Spenden oder andere Aktionen wie Proteste gegen Tötungsstationen. Wem dies allerdings zu viel ist kann auch einfach auf Social Media aktiv sein und Posts von Organisationen teilen, damit diese an Reichweite gewinnen. Niemandem soll eine Meinung aufgezwungen werden, jedoch sind es sehr schreckliche Bedingungen unter denen die Hunde dort leben müssen. Dabei sind sie so unschuldig und können auch nichts für die Massenpopulation der Straßenhunde, da sie dort hineingeboren wurden und es eigentlich die Aufgabe des Staates wäre ihre finanziellen Mittel in die Kastration und Vermittlung der Hunde zu investieren, anstatt in das Töten der Tiere. Und natürlich ist auch niemand verpflichtet einen Hund aus dem Tierheim zu adoptieren, allerdings gibt es das große Vorurteil gegenüber Straßenhunden, sie seien kompliziert, leicht reizbar und beißen schnell und natürlich: auf ein paar Hunde kann dies auch zu treffen was den Umständen geschuldet ist, unter denen sie leben mussten. Aber auch überzüchtete Rassen neigen dazu Verhaltensauffälligkeiten zu entwickeln, die aufgrund von  Qualzucht und den entstehenden Schmerzen kommen. Allerdings ist die breite Masse einfach nur sehr dankbar ein neues, liebevolles Zuhause gefunden zu haben. So gibt es Hunde die eben nur für Erfahrene Hundehalter oder Menschen mit viel Durchsetzungsvermögen geeignet sind aber es gibt auch genug Hunde die für Familien mit Kindern oder noch unerfahrenen Hundehalter geeignet sind. Man sollte sich vor einer Adoption immer mit dem Tierheim in Kontakt setzen, da diese ihre Tiere am Besten kennen und über mögliche Verhaltensauffälligkeiten informiert sind. Die meisten Aggressionen entstehen auch eher durch die falsche Kommunikation, Erziehung und Haltung des Hundes wie Studien (Studie der Universität Helsinki vom 3.5.2021) belegen. 

Dieser Artikel wurde von unser Redakteurin Tjalda aus dem 10. Jahrgang geschrieben.

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