Students on tour – Frederik berichtet aus Portugal (Teil 1)

Den Gedanken, für eine gewisse Zeit in der Schule ins Ausland zu gehen, hatte ich schon eine ganze Weile in meinem Kopf. Meine Mutter und mein Onkel waren beide schon mit AFS im Ausland gewesen. Meine Mutter war ebenfalls in Portugal und mein Onkel in Costa Rica. Beide erzählten mir von ihren Erfahrungen und ihre ehemaligen Gastfamilien hatte ich auch schon vor meinem Abflug kennengelernt. Das Thema und die Organisation waren mir also schon bekannt. 

Die Entscheidung nach Portugal zu gehen, entstand dennoch aus Neugier, den Willen eine neue Sprache zu lernen und aus meiner Kenntnis darüber, wie wertvoll so eine Erfahrung sein kann. Das Land wählte ich, weil ich schon einige Male mit meiner Familie im Urlaub in Portugal gewesen war. Meine Oma besitzt ein kleines Ferienhaus in einer netten portugiesischen Nachbarschaft. Ich hatte bereits Erfahrung mit Portugiesen und mit dem Land gemacht und fand es richtig gut. Also warum nicht ein Jahr unter diesen Menschen leben, zur Schule gehen, Freunde finden und die Kultur richtig kennenlernen? Damit war die Entscheidung schon gefallen. 

Mein Austausch startete am 9. September am Hamburger Flughafen. Nach der Verabschiedung ging es ins Flugzeug und drei Stunden später stand ich auch schon in meinem neuen Leben: In Lissabon. Ich wurde von Ehrenamtlichen empfangen und traf auch schon die ersten anderen Austauschschüler. Meine Gastfamilie, bestehend aus meiner Gastmutter Ana und Gastbruder Gui, holte mich ab und ich sah zum ersten Mal meine Wohnung für die nächsten zehn Monate. Lange sollte ich da aber nicht bleiben, denn schon am nächsten Morgen ging es per Bus nach Tavira in die Algarve für eine Woche Urlaub. Dort habe ich auch die Großmutter der Familie kenngelernt. Wunderschöne Strände, endlich wieder Meer und leckeres Essen bescherten mir die perfekte Ankunft im sommerlichen Portugal.Nach einer Woche Extra-Urlaub begann das Leben in Lissabon. Da ich aus Deutschland ein eher ländliches Leben gewohnt bin, war die Stadt schon eine Umstellung für mich: laut, wenig Natur, keine Angelplätze und viel Trubel – dafür aber viel zu entdecken und eine wunderschöne alte Schule, nämlich das älteste Gymnasium Lissabons, die „Escola Secundária de Camões“, mit sehr offenen und sympathischen Mitschülern. Portugiesisch lernte ich von da an im Portugiesischkurs für Anfänger meiner Schule, der mich wirklich gut voranbringt. 

In den sechs Monaten habe ich wirklich schon viel erlebt. Ich war oft in der malerischen Altstadt mit Freunden, aber natürlich auch als Tourist, um die Kultur des Landes zu entdecken. Ich habe mit AFS-Kollegen, Familie und Freunden viele schöne Orte erkundet. Mit meiner Gastfamilie machte ich mehrere Ausflüge in die verschiedensten Regionen Portugals. Meine Gastmutter ist Architektin, und mein Gastbruder und ich haben sie zu einem Workshop ins zentrale Portugal, nach Alentejo, begleitet, wo ein traditionelles Schilfhaus gebaut wurde. Ende November besichtigten wir ein altes Kloster, und meine Gastmutter brachte mir bei, wie man mit ihrer Kamera umgeht. Nun kann ich all die neuen Eindrücke noch aus einer ganz anderen Perspektive sammeln und habe ein neues Hobby gefunden, das ich mittlerweile schon zusammen mit meinen Freunden ausübe. Ganz egal, ob in der Innenstadt, an Stränden oder sonst wo – die Kamera nehme ich eigentlich überall mit hin.Die ersten fünf Ferientage vor Weihnachten verbrachte ich mit meiner Gastfamilie im Strandhaus eines Freundes meiner Gastmutter in der Nähe von Santa Cruz. Wir unternahmen Tagesausflüge, zum Beispiel nach Nazaré, Óbidos oder Peniche. Ich bin sehr dankbar, dass meine Gastmutter so gerne unterwegs ist und ich so viele verschiedene Orte in Portugal erleben und sehen darf. Auch Museen wie das „Museu Nacional da Resistência e Liberdade“ in einem ehemaligen Gefängnis aus der Diktaturzeit durften nicht fehlen. Das Engagement meiner Gastmutter, mir auch die Geschichte und Kultur Portugals näherzubringen, schätze ich wirklich sehr.

Ein Abstecher an den Strand, auch im Winter, fehlt bei den meisten Ausflügen nicht. So konnte ich ein Bad im portugiesischen Meer bei 20 Grad genießen, während es in Deutschland nachts bereits 0 Grad hatte. Tagesausflüge wie diese gefallen mir sehr gut, und es macht mir wirklich Spaß, Zeit mit meiner Gastfamilie zu verbringen. An Weihnachten ging es dann zurück nach Lissabon, um mit insgesamt 40 Cousins zu feiern. Da ich schon einigermaßen Portugiesisch sprechen konnte, ergaben sich einige interessante Gespräche. Eine zwar laute, aber sehr schöne Atmosphäre führte dazu, dass ich mich auch weit weg von meiner eigentlichen Familie wohlfühlte und das Fest mit den kulinarischen Besonderheiten genießen konnte. Nach Weihnachten fuhren wir in den Norden zum Haus meiner Gastfamilie. In einem kleinen Tal in der Nähe von Vendas das Galizes, direkt am Fluss, verbrachte ich drei Tage. Wir unternahmen Wanderungen ins benachbarte Dorf Avô und in das Schieferdorf Piódão – natürlich wieder mit der Kamera dabei. Zu Weihnachten schenkte mir meine Gastmutter einen Online-Fotokurs, der meinem neuen Hobby auch theoretisch auf die Sprünge geholfen hat. Am 30. Dezember ging es dann allein zurück nach Lissabon, um Neujahr und die letzten Ferientage mit meinen Freunden zu feiern.

Seit Weihnachten läuft nun eine lange Klausurenphase, die meinen Mitschülern viel abverlangt. Die Portugiesen haben im ersten Monat der Sommerferien zwei große Examen, die man in Deutschland mit dem Vorabi vergleichen könnte. Trotzdem passiert am Wochenende in Lissabon genug, damit einem nicht langweilig wird: Fotografieren mit Freunden, Feiern gehen oder einfach mal in eine Snooker-Bar, um sich vom Schulstress zu erholen.

Auch wenn ich mich nicht so sehr um meine Noten kümmern muss und daher keinen Stress in der Schule habe, ist es sehr schön, sich mit meinen portugiesischen Freunden zu treffen und Portugal genießen zu können. Die Portugiesen sind super offene Menschen, die lieber Zeit mit anderen verbringen, als allein zu Hause zu sitzen. Am Wochenende ist daher immer genug los – soweit es der Schulstress bei meinen Kollegen erlaubt.
Ich bin sehr gespannt, was der Sommer in Portugal noch so bringt. Wahrscheinlich sehr viel Strand, Bars und vor allem eine entspannte Lebensweise.

Von Frederik Ole Michaelis, Jg. 11

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