Time to say goodbye: Das Abschiedsinterview mit Herrn Parry
Viele von uns kennen Herrn Parry als Englischlehrer und schätzen sein britisches Understatement sehr. Nun geht er in den Ruhestand und wird die Eichenschule verlassen. Zum Abschied hat Herr Parry dem EichenSchul-Magazin in einem Interview Einblicke in seinen Werdegang und seine liebsten Freizeitbeschäftigungen gewährt.
ES-Magazin: Lieber Herr Parry, vielen Dank dass Sie sich die Zeit für das Interview nehmen. Unsere erste Frage lautet, wie lange Sie bereits Lehrer sind.
Herr Parry: Lehrer… seit Mitte der 80er Jahre. Meine erste Stelle war als Lehrer in England. Ich habe studiert, kein Lehramt, sondern einen ganz normalen Bachelor gemacht: Deutsch und reine Mathematik, also eine ungewöhnliche Mischung. Dann habe ich nach meinem Bachelor eine Ausbildung gemacht, um Lehrer zu werden. Bei meiner ersten Stelle war ich 24 Jahre alt. Man fängt in England ein bisschen früher an als hier. Ich habe fünf Jahre als Lehrer im englischen System gearbeitet, drei Jahre in einer Gesamtschule und dann zwei Jahre auf einem Internat. Und dann habe ich den Beruf völlig aufgegeben. Ich hatte keine Lust mehr. Das war alles zu anstrengend und das machte mich nicht glücklich. Ich bin ausgestiegen, ich habe dann was ganz anderes gemacht. Und dann erst viele Jahre später, als ich mit meiner neuen Frau und einem Kind nach Deutschland gezogen bin, habe ich wieder angefangen und zwar hier an der Eichenschule, also vor 21 Jahren.
ES-Magazin: Und wie kam es, dass Sie an die Eichenschule unterrichten?
Herr Parry: Ich hatte viel Glück. Ich habe nach meiner Ankunft in Deutschland jemanden angerufen, der immer noch hier in Scheeßel wohnt. Sie war damals Lehrerin hier an der Eichenschule. Ich habe sie angerufen, um zu sagen: „Hey, wir sind wieder zurück in Rotenburg. Wir haben vor, hier ein neues Leben zu beginnen.“ Und sie hat gesagt: „Sag bloß. Das Schuljahr fängt in zehn Tagen an. Ich unterrichte jetzt an der Eichenschule,“ hat sie gesagt, „und wir brauchen dringend einen neuen Englischlehrer. Wir finden keinen Ersatz für einen Kollegen, der uns verlassen hat.“ Schon wenige Tage später wurde ich angestellt.
ES-Magazin: Und was war letztlich Ihre Motivation, überhaupt Lehrer zu werden?
Herr Parry: Ich habe immer gerne mit jungen Leuten gearbeitet. Ich habe, wie gesagt, Deutsch studiert. Viele in England – und ich glaube, dass das auch in Deutschland der Fall ist, wenn man eine Fremdsprache studiert – haben die Chance, sich zu bewerben, um ein Jahr an einer Schule im Ausland als Fremdsprachenassistenz zu arbeiten. Und das habe ich gemacht. Ich habe mich in Deutschland irgendwo an einer Schule beworben. Maximal zwölf Stunden die Woche, mehr durfte man damals nicht unterrichten. Nicht als Lehrer, einfach als Fremdsprachenassistent. Du hilfst dem Lehrer oder der Lehrerin beim Unterricht. Du kannst auch kleine Gruppen auf Englisch ansprechen und Unterhaltungen führen. Das war ein besonderes lustiges Jahr für mich und zwar hier in Rotenburg. Dass ich nach Rotenburg kam und ans Ratsgymnasium geschickt wurde, war ein reiner Zufall. Daher kommt auch meine Beziehung zu Rotenburg. Ich bin immer wieder über die Jahre im Urlaub zurückgekommen, um Freunde zu besuchen. Und dann viel später bin ich mit meiner Frau, die auch aus der Nähe von Rotenburg stammt, zusammengekommen. Und das alles passierte durch einen Zufall, dass irgendjemand in irgendeinem einem Büro irgendwo mich nach Rotenburg geschickt hat.
ES-Magazin: Das klingt sehr schön. Sie haben ja von Anfang an nicht Lehramt studiert. Hatten Sie einen anderen Traumberuf?
Herr Parry: Nein. In England ist es üblicher, einfach einen Bachelor zu machen und erst danach ein weiteres Studium. Damals ging es nur um ein Jahr. Mein weiteres Studium enthielt ein bisschen Theorie, zwei Praktika von jeweils sechs Wochen in einer Schule und dann keine Prüfung, glaube ich… Außerdem… Entschuldigung. Ich hatte also nicht vor, Lehrer zu werden. Ich hatte keine Ahnung, was ich machen würde. Erst nach diesem Jahr auf dem Ratsgymnasium in Rotenburg – das hat mir so viel Spaß gemacht – hatte ich die Idee als Lehrer zu arbeiten und zwar als Mathelehrer. Keine Schule in England will dich einstellen, um Deutsch zu unterrichten, wenn du auch Mathe anbieten kannst, weil so wenige Menschen – leider – in England ein Interesse an Fremdsprachen haben.
ES-Magazin: Daran angeschlossen: Gibt es ein Fach, das Sie gerne immer unterrichtet hätten, obwohl Sie es nicht studiert haben?
Herr Parry: Ja. Englisch habe ich nicht studiert. Und komischerweise, als ich als anerkannter Lehrer mit fünf Jahren Erfahrung nach Deutschland kam, dachte ich naiverweise, dass es relativ leicht sein würde, hier einen Job zu finden, vor allen Dingen, weil ich Mathematik anbieten kann. Ich hatte zwei Gespräche mit dem Ministerium in Hannover und sie haben immer wieder eine Hürde gefunden, worüber ich springen musste, bevor ich hier unterrichten dürfte. Der Grund, dass sie mir nicht sofort die Unterrichtserlaubnis erteilen konnten, war, weil ich kein Englisch studiert hatte. Ich habe gesagt: „Ich bin Engländer, ich habe Deutsch studiert, ich kenne mich auch aus mit Fremdsprachen.“ Aber die Antwort lautete immer: „Wenn Sie hier Englisch unterrichten, müssen Sie Englisch studiert haben.“ Und so ging dieses Gespräch weiter… Und letztendlich bin ich hierher an die Eichenschule gekommen, weil die Eichenschule als Privatschule mehr Freiheit hat, Leute anzustellen. Ich habe hier mit ungefähr neun Stunden angefangen und war am Anfang nicht in Vollzeit beschäftigt. Der damalige Chef hat mich zwei, drei Mal beobachtet und danach hat er mir mehr Stunden angeboten. Aber ich musste langsam anfangen.
ES-Magazin: Das klingt ja schon mal nach einer sehr positiven Erfahrung mit der Eichenschule. Gibt es noch einen Punkt, der Ihnen besonders an dieser Schule gefällt oder in Ihrem Arbeitsumfeld?
Herr Parry: Die allgemeine Stimmung ist nach meinen Erfahrungen sehr angenehm, sowohl mit den Schüler/innen als auch mit den Kollegen. Eigentlich wäre eine andere Frage schwieriger: Welche sind die schlechten Erfahrungen, die Sie gemacht haben und mein Antwort ist eigentlich: Kaum. Meiner Erfahrung nach sind die Eltern hier anspruchsvoller, sogar mehr als auf der Privatschule, an der ich England zwei Jahre unterrichtet habe. Dort haben die Eltern im Jahr – damals, das war Ende der 80er – fragt mich nicht wie viel sie bezahlt haben, 10.000, 15.000 im Jahr… auf jeden Fall echtes Geld und trotzdem finde ich, die Eltern – einige Eltern – hier an der Eichenschule sind anspruchsvoller, aber nie unangenehm. Ich habe nie richtig Streit mit Eltern gehabt, aber es kommen ziemlich häufig Fragen, aber das ist okay. Ich habe nie eine unangenehme Erfahrung mit Eltern gemacht.
ES-Magazin: Schön, dass Ihre Erfahrungen hier in der Eichenschule insgesamt positiv waren. Nun kommt aber der Ruhestand immer näher und uns interessiert, ob Sie vielleicht irgendwelche Pläne haben, die sie gerne im Ruhestand durchführen wollen.
Herr Parry: Leider nichts Aufregendes… nichts, was in einem Artikel gut aussieht. Also einige würden sagen, vielleicht würde ich eine neue Sprache lernen oder einen Schuppen in meinem Garten bauen oder etwas Ähnliches… Nein, ich spiele sehr gerne Tennis, ich spiele sehr gerne Golf, also werde bestimmt mehr Zeit für die beiden Sportarten haben. Meine Frau arbeitet noch, ich habe noch eine Tochter auf der Schule, sie hat noch drei Jahre. Und es wird zu Hause bestimmt genug zu tun geben: Wäsche, kochen, putzen, einkaufen… Viele, die im Ruhestand sind, sagen, sie wissen nicht, wie sie die Zeit gefunden haben, auch zu arbeiten. Ich hoffe, ich gehöre zu denen in einem Jahr… Ich bin nicht der Typ, der einfach zu Hause sitzt und Langeweile hat – hoffe ich.
ES-Magazin: Sie haben ja jetzt etwas über ihre Hobbys erzählt und da hätten wir auch noch die etwas privatere Frage, ob sie vielleicht irgendein besonderes oder außergewöhnliches Hobby haben, von dem die Schüler bisher noch nichts wissen.
Herr Parry: Also bevor ich nach Deutschland gekommen bin, war meine große Leidenschaft immer Cricket. Das kennt man hier natürlich nicht und über die Jahre habe ich leider immer weniger Kontakt zu Cricket gehabt. Um sich über das, was beim Cricket läuft, also die Neuigkeiten, die neuen Spieler für die Nationalmannschaften und so weiter, hier mit jemandem auszutauschen, war eigentlich nicht möglich, weil es kaum jemanden gibt, den die Sportart interessiert. Das macht etwas aus. Es ist ähnlich wie mit Rugby. Aber natürlich habe ich hier Herrn Norris, der Rugby noch mehr liebt als ich. Und wir gucken zusammen ab und zu Spiele, entweder in einem Irischen Pub oder im Fernsehen. Aber Cricket, das ist in Deutschland eine ungewöhnliche und wenig bekannte Sportart.
ES-Magazin:Jetzt eine etwas andere Frage. Welche berühmte Person würden Sie gerne treffen und warum? Und da ist es egal, ob sie tot oder lebendig ist.
Herr Parry: Die Leute, die ich gerne treffe, sind nicht unbedingt die Leute, die ich gerne als Nachbar haben würde. Es müsste faszinierend sein, Trump zu treffen. Und zwar ohne Kamera, sodass er nicht ein Spiel für die Welt macht, sondern wie er tatsächlich ist. Das würde mich faszinieren, aber wahrscheinlich lieber nicht für zu lange. Sportler? Ich habe einen guten Freund, der sehr aktiv bei einem professionellen Fußballverein in England ist. Er hat erzählt, er treffe alle diese Spieler wegen seines Jobs. Und er hat gesagt, dass es ein Riesenfehler sei, diese „Helden“ zu treffen, weil sie nie in echt Helden seien. Du denkst oft, wenn du den Menschen triffst: „Was für ein Idiot.“ Aber wenn er ein wunderbares Tor schießt, denkst du, ich würde so gerne mit ihm reden. Und dann ist das Treffen nachher eine Enttäuschung. Also Sportler würde ich nicht unbedingt treffen wollen. Vielleicht sagt euch der Name Gary Lineker etwas? Er war vor 30 Jahren der englische Mannschaftskapitän. Ein extrem guter Stürmer, aber auch ein sehr intelligenter Mann. Er hatte nie eine gelbe Karte. Ein sehr imponierender, intelligenter Typ, der jetzt seit über 30 Jahren Moderator im englischen Fernsehen ist. Ich habe englische Sender wie BBC zuhause. Ihn würde vielleicht gerne treffen.
ES-Magazin: Das klingt sehr interessant. Dann kommen wir auch schon zur letzten Frage: Was möchten Sie den Schüler/innen und auch Ihren Kolleg/innen, die noch hierbleiben, zu Ihrem Abschluss noch mit auf den Weg geben?
Herr Parry: Außer einem großen Dankeschön, weil das wirklich eine schöne Erfahrung war…? Also es ist nicht so, als ob ich nächste Woche für immer nach England verschwinde. Ich bin immer noch in der Umgebung. Ich werde bestimmt sehr viele der Kollegen noch treffen. Mit oder ohne Absicht. Das kann man kaum vermeiden. Auch wenn es ein bisschen langweilig klingt: Ich denke ein sehr großes Dankeschön. Es hat wirklich Spaß gemacht über die Jahre. Wie gesagt, kaum eine schlechte Erfahrung. Ich habe wirklich Glück gehabt.
ES-Magazin: Das ist doch ein guter Abschluss. Das wäre es eigentlich schon. Vielen Dank für Ihre Zeit!
Herr Parry: Sehr gerne!
Das Interview führten Christin und Lucas, Redaktion 11
Das Beitragsbild wurde mit der Canva-KI generiert.