Time to say goodbye: Das Abschiedsinterview mit Herrn Reuter

ES-Magazin: Unsere erste Frage ist, wie lange sind Sie bereits Lehrer? 

Herr Reuter: Ich glaube ca. 35 Jahre. 

ES-Magazin: Und wie viele Jahre davon haben Sie an der Eichenschule unterrichtet? 

Herr Reuter: Ich habe die gesamte Zeit an der Eichenschule unterrichtet. 

ES-Magazin: Was hat Sie dazu gebracht, Lehrer zu werden? 

Herr Reuter: Ich habe, bevor ich Lehrer geworden bin, darüber nachgedacht, ob ich in der Sozialarbeit tätig werden möchte. Dann habe ich entsprechend Zivildienst in einer Kinder- und Jugendpsychiatrie durchgeführt, in der Gruppe gearbeitet. Dann war ich noch ein halbes Jahr in einem Kinderdorf in der Gruppe beschäftigt. Und dann hatte ich aber immer noch den Wunsch, irgendetwas mit Kunst zu tun. Und so bin ich dann auf die Idee gekommen, das Interesse an Kunst und an Pädagogik durch den Lehrerberuf zu kombinieren. Und deshalb habe ich Kunstpädagogik studiert und bin dann Kunstlehrer geworden. Das war so eine ziemlich gezielte Vorbereitung von mir. 

ES-Magazin: War Lehrer Ihr Traumberuf oder hatten Sie ursprünglich einmal andere Pläne?

Herr Reuter: Also ich würde es jetzt nicht als Traumberuf bezeichnen. Aber ich habe in dieser Anfangszeit nach der Schule ein bisschen mich orientiert. Und dann war der Lehrerberuf schon die erste Option. 

ES-Magazin: Haben sie ein Lieblingsfach und warum?

Herr Reuter: Ich habe deutlich mehr Kunst unterrichtet als Geschichte. Geschichte finde ich zwar auch selber persönlich sehr interessant. Aber den Kunstunterricht finde ich deshalb für mich interessanter und besser, weil ich glaube, dass im Kunstunterricht ich viel mehr junge Leute erreichen kann, weil die jungen Leute viel eigenständig arbeiten können. Und im Geschichtsunterricht merke ich immer, das sind deutlich weniger Interessierte als im Kunstunterricht. Und so hat mir dann auch Kunstunterricht aufgrund dessen, wie Schüler damit umgehen, besser gefallen.

ES-Magazin: Gibt es ein bestimmtes Fach, was Sie gerne mal unterrichtet hätten, obwohl Sie es nie studiert haben? Hatten Sie da noch irgendwelche anderen Interessen? 

Herr Reuter: Ja, also durchaus hätte ich zwischendurch gerne auch ein bisschen Philosophie unterrichtet. Und was ich grundsätzlich in der Schule vermisse und was ich dann auch sicherlich getan hätte, das wäre sowas wie Werkstattarbeit. Ich finde, dass die Schule viel zu theoretisch ausgerichtet ist und dass man in Schule viel mehr Praxisanteile bräuchte für junge Leute, damit die mit allen möglichen Anforderungen, die in dieser Welt auf sie zukommen, dass sie damit in Berührung kommen. Und dann hätte ich gerne auch in Werkstätten gearbeitet, Holzwerkstätten oder Metallwerkstätten. 

ES-Magazin: Gibt es für Sie ein oder sogar mehrere besondere Eichenschulmomente, von denen Sie uns erzählen können?

Herr Reuter: Ja, für mich das Besonderste ist tatsächlich das Mehrzweckgebäude. Es ist entstanden nach vielen, vielen Jahren Überlegungen, was man hier an der Eichenschule noch weiter ausbaut. Und schließlich wurde dann entschieden, dass es ein Kunst- und Musikgebäude wird. Architekten waren beauftragt, die haben Pläne entworfen und uns vorgelegt. Und wir im Bauausschuss, in dem ich auch über zehn Jahre beigewohnt habe, wir haben dann gemerkt, dass es noch nicht ganz so richtig ist, was die Architekten geplant haben. Dann habe ich die Möglichkeit gehabt, mit einem Leistungskurs Kunst dieses Gebäude zu entwickeln, also Pläne zu zeichnen. Die haben also die Pläne entwickelt, dann haben sie die Modelle gebaut und dann haben wir die Architekten, die den Auftrag bekommen hatten, haben wir eingeladen. Die sind auch gekommen, haben sich alles angeguckt, fanden das sehr spannend und haben dann tatsächlich eine Mischung aus diesen Schülerarbeiten und ihren eigenen Vorstellungen hier realisiert. Und das Schöne war, dass ich eben alles begleiten konnte. Und das Schöne war auch für mich, dass man mir also die freie Hand gelassen hat. Das heißt, alles, was in diesem Kunstbereich hier zu sehen ist, ob das die Stühle sind, die Tische sind, die Schränke sind, ob das die Medien sind, Medienwagen, also ich konnte alles sozusagen frei entscheiden, wie das hier eingerichtet und ausgestattet wird. Und das war für mich schon eine sehr gute Möglichkeit. Und ich glaube, dass das Gebäude auch sehr gelungen ist. 

ES-Magazin: Was gefällt Ihnen am meisten an der Eichenschule? 

Herr Reuter: Das ist nicht ganz so leicht zu beantworten. Also einerseits ist es ganz schön mit einer Schülerschaft hier zu arbeiten, die grundsätzlich positiv eingestellt ist. Das ist, glaube ich, schon eine gute Möglichkeit, hier auch eine gute Arbeit zu leisten. Und ich merke auch, dass es viele Schüler sind, die interessiert mitmachen, das ist eine besondere Qualität. 

ES-Magazin: Welche Pläne haben Sie für Ihren Ruhestand?

Herr Reuter: Auf alle Fälle werde ich selber wieder mehr selbstproduktiv arbeiten, das heißt künstlerisch arbeiten, zeichnen, malen, fotografieren, ob es dazu kommt, dass ich auch mal in irgendeiner Filmproduktion noch tätig werde, das weiß ich nicht, würde mich reizen, also der Bereich wird auf alle Fälle sicherlich stattfinden. Dann schaue ich mal, inwieweit ich mich auch in lokaler Politik noch ein bisschen mit einbringen werde, also ich bin immer so an verschiedenen Stellen, bin ich präsent und mache auch etwas, so wenn es um bestimmte Bürgeraktivitäten geht, ob das ein bisschen mehr werden wird, weiß ich noch nicht genau und dann lasse ich natürlich einiges erstmal auf mich zukommen. Und ich habe natürlich seit vier Jahren, das ist auch für mich ganz neu, vor vier Jahren habe ich das Westernreiten begonnen und habe mir ein Pferd zugelegt und auch das braucht Zeit und jetzt habe ich auch ein bisschen mehr Zeit und Ruhe dafür. 

ES-Magazin: Dürfen wir Ihnen auch noch ein paar persönliche Fragen stellen?

Herr Reuter: Je nachdem, wie persönlich sie sind. 

ES-Magazin: Was ist Ihre liebste Freizeitbeschäftigung? 

Herr Reuter: Zur liebste Freizeitbeschäftigung gehört zur Zeit, Tennisspielen und das Reiten mit meinem Quarterhorse und zusätzlich Gartenarbeit. 

ES-Magazin: Welches ist Ihr Lieblingsessen, Lieblingsfilm und welche Musik hören Sie am liebsten?

Herr Reuter: Lieblingsessen kann ich nicht beantworten, weil ich gerne sehr unterschiedlich und sehr vielfältig esse. Also nicht die schlichten deutschen Gerichte, die gehören nicht zu meinem Lieblingsessen, also eher internationale Gerichte. Lieblingsfilm, also aus einer bestimmten Tradition gehört unter anderem ,,Spiel mir das Lied vom Tod’‘ dazu, es gehört in einer gewissen Art und Weise Pulp Fiction dazu und dann gibt es noch eine andere Reihe, das heißt es gibt nicht den einen Lieblingsfilm, sondern ich schaue gerne Filme und da gibt es schon eine relativ große Breite und in unterschiedlichen Richtungen. Musik kann ich mich auch nicht auf eine Gruppe oder auf eine bestimmte Richtung  festlegen, sondern da bin ich auch vielfältig unterwegs und höre in unterschiedlichen Richtungen von Pop bis Rock bis Klassik, also da gibt es eine relativ große Spannbreite, da kann ich euch jetzt nicht einen Titel oder eine Gruppe nennen. Live habe ich besonders gerne gesehen Santana und Linkin Park. 

ES-Magazin: Gibt es eine berühmte Person, die Sie gerne mal treffen würden und wenn ja, warum?

Herr Reuter: Ich glaube, Cate Blanchett – eine ziemlich interessante Schauspielerin.

ES-Magazin: Welche fünf Gegenstände würden Sie mit auf eine einsame Insel nehmen? 

Herr Reuter: Einen Zeichenstift, natürlich entsprechend Papier, auf alle Fälle ein wichtiges Buch – welches kann ich euch jetzt nicht sagen – einen Fotoapparat und mehr fällt mir nicht ein.

ES-Magazin:  Zum Schluss noch einmal, was möchten Sie gerne unseren Schülerinnen und Schülern oder auch Ihren Kolleginnen und Kollegen zum Abschluss mitgeben? 

Herr Reuter: Als Message würde ich mitgeben wollen: Das wichtigste Ziel, was wir hier in der Schule und außerhalb der Schule im Auge halten sollten, wäre unsere Schöpfung zu achten und zu bewahren. Schöpfung meine ich jetzt nicht im christlichen Sinne, sondern wirklich, dass unser ganzes ökologisches System, meines Erachtens viel zu viel missachtet und ausgebeutet wird, damit werden natürlich auch die Menschen entsprechend mit ausgebeutet. Und das ist für mich das zentrale Ziel, um das muss man sich kümmern.

ES-Magazin: Wir bedanken uns vielmals bei Ihnen und wünschen Ihnen einen angenehmen und kreativen Ruhestand.

Aktuelle Beiträge

Sensation gegen die Wizards – Adebayo schreibt Geschichte

Bam Adebayo bricht am Dienstag, den 11. März 2026 drei...

Regionales Schultheatertreffen 2026

Szenen, Schauspiel, Mini-Ausschnitte und ganz viel Spaß! Das ist das...

Vier Monate, zwei Kulturen und unzählige Erinnerungen

Die beiden Austauschschülerinnen Alexia und Luciana waren für ein knappes...

Die Wichtigkeit der Freundschaft

Freundschaft spielt im Leben eine wichtige Rolle. Vor allem im...

Zoos – Artenschutzzentren oder Tiergefängnisse?

„Die Tiere sind sicher und werden gefüttert, ohne Angst vor...

Für ein halbes Jahr in Deutschland – ein Interview mit Sienna

ES-Magazin: Kannst du dich als erstes einmal kurz vorstellen? Sienna:...